Nach den Schüssen am Göttinger Weender Tor greift die Polizei gegen das Clanmilieu durch. Laut einer aktuellen Pressemitteilung der Polizeiinspektion Göttingen wurden inzwischen gegen insgesamt 64 Angehörige der an den Auseinandersetzungen beteiligten Großfamilien Aufenthaltsverbote oder Meldeauflagen ausgesprochen. In einer früheren Bilanz sprach die Polizei ausdrücklich von „zwei Clanfamilien“ und ordnete die Großfamilien dem Phänomenbereich der Clankriminalität zu.
Hintergrund sind die schweren Auseinandersetzungen vom 13. Juni. Nach früheren Polizeiangaben wurde dabei ein 26-jähriger Polizist durch Schüsse schwer verletzt. Die Ermittlungen laufen in enger Abstimmung mit der für Clan-Delikte zuständigen Zentralstelle zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig.
Konkret verfügte die Polizei bislang 14 Aufenthaltsverbote gegen Personen, die nicht in Göttingen wohnen, sowie 26 weitere teilweise Aufenthaltsverbote gegen Personen mit Wohnsitz oder Arbeitsplatz in der Stadt. In 24 Fällen wurden personenbezogene Meldeauflagen erteilt. Die Maßnahmen gelten je nach Einzelfall zwischen einem und drei Monaten.
Die Aufenthaltsverbote betreffen teils das gesamte Stadtgebiet Göttingen, teils einzelne Bereiche. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten. Dass solche Maßnahmen überhaupt nötig werden, zeigt, wie weit sich ein Clan-Konflikt bereits in den öffentlichen Raum gefressen hat. Wenn Stadtgebiete für Angehörige rivalisierender Familien zur polizeilich regulierten Gefahrenzone werden, ist das kein normaler Streit mehr, sondern eine Kampfansage an die öffentliche Ordnung.
Die Polizei spricht von einem ganzheitlichen Maßnahmenpaket, das unmittelbar nach der Gewalteskalation eingeleitet worden sei. Dazu gehören robuste Präsenz und Kontrollmaßnahmen, um ein erneutes Aufeinandertreffen der beteiligten Clanfamilien zu verhindern. Schon Ende Juni hatte die Polizei von 16 Aufenthaltsverboten berichtet und angekündigt, bei zuständigen Stellen auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen anzuregen.
Parallel laufen die Ermittlungen weiter. Im Fokus der Göttinger Mordkommission stehen nach Polizeiangaben weiterhin 49 Tatverdächtige. Deren konkrete Beteiligung soll nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Auswertung von rund 70 sichergestellten Handys dauert an und wurde wegen der Datenmenge auf mehrere Fachkommissariate Forensik verteilt.
Polizeipräsidentin Tanja Wulff-Bruhn hatte bereits in der ersten Bilanz erklärt, eine solche Gewalteskalation auf offener Straße, verbunden mit dem Einsatz von Waffen, sei nicht hinnehmbar. Die Polizei werde mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen kriminelle Clanstrukturen vorgehen. Genau das ist der Punkt: Wenn Clanstrukturen erst Schüsse, Mordkommission, Aufenthaltsverbote, Meldeauflagen und Handy-Massenauswertung auslösen, ist die öffentliche Ordnung nicht nur gestört. Sie wird offen herausgefordert.
Quellen: Polizeiinspektion Göttingen, 10. Juli 2026; Polizeiinspektion Göttingen, 25. Juni 2026




Schreibe einen Kommentar