Gänseleberpastete kaufen, Tierleid importieren: Wie die EU-Lobby Gesetze nach Maß schreibt

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Foto: Animal Equality / Aitor Garmendia

Die Stopfleber-Industrie hat sich 2025 mit bis zu 199.999 Euro Lobbybudget direkten Zugang zu EU-Kommissaren erkauft — und offenbar bekommen, was sie wollte. Wie Animal Equality dokumentiert, traf sich der Branchenverband Euro Foie Gras, unterstützt durch die Lobbyfirma Aliénor, im Februar und Juni 2025 direkt mit den Kommissaren Olivér Várhelyi (Gesundheit und Tierschutz) und Christophe Hansen (Landwirtschaft). Im Oktober folgte die überarbeitete EU-Verordnung zu Geflügelvermarktungsstandards — die Mindestlebergewichte, die faktisch nur durch Zwangsmast erreichbar sind, blieben unangetastet.

Die Zahlen dahinter sprechen für sich: Von Dezember 2024 bis März 2026 führten die beiden Kommissare und ihre Kabinette 708 öffentliche Treffen durch. Davon entfielen mindestens 46 auf Vertreter der Fleisch-, Geflügel- und Milchindustrie, die über Tierschutz diskutierten. Tierschutzorganisationen kamen dabei auf ganze sieben Termine — ein Verhältnis von fast 7:1. Zum Thema Zwangsmast speziell: kein einziges Treffen mit einer Tierschutzgruppe dokumentiert.

Noch pikanter ist die personelle Dimension. An den Treffen zwischen Euro Foie Gras und den Kommissaren saßen Kabinettsmitglieder mit direkten Verbindungen zur Agrarindustrie am Tisch. Flavio Facioni aus dem Stab von Várhelyi steht dem italienischen Agrarverband Coldiretti nahe. Antonella Rossetti aus dem Stab von Hansen war zuvor Senior Adviser bei Farm Europe — einer Lobbyorganisation mit einem Jahresbudget von rund einer halben Million Euro allein für politische Einflussarbeit.
Die EU-Kommission segnet also Tierschutzregelungen ab, während ehemalige Lobbyisten aus der Agrarindustrie mit am Tisch sitzen. Das ist kein Strukturfehler — das ist das System.

Was die Zwangsmast konkret bedeutet: Den Tieren wird über 12 bis 21 Tage zwei- bis dreimal täglich bis zu einem Kilogramm Maisbrei durch ein Metallrohr zwangsweise eingeflößt. Die Leber wächst auf das Sieben- bis Zehnfache des natürlichen Gewichts. Die Sterblichkeitsrate ist bis zu 25-mal höher als bei normal gehaltenen Tieren. Sowohl die FAO als auch der Wissenschaftliche Ausschuss für Tiergesundheit der EU haben die Praxis als tierquälerisch eingestuft. 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten haben die Produktion bereits verboten — Deutschland eingeschlossen. Der Import bleibt dennoch legal.
Am 27. März 2026 forderten 40 Mitglieder des Europäischen Parlaments aus 15 Ländern in einem Brief an Várhelyi und Hansen, die Zwangsmast schrittweise abzuschaffen und das in der kommenden Tierschutzgesetzgebung zu verankern.

Unterzeichnet haben auch sieben deutsche Abgeordnete sowie Parlamentarier aus vier der fünf noch produzierenden EU-Länder: Frankreich, Bulgarien, Spanien und Belgien. Aus Ungarn — Heimat von Kommissar Várhelyi und nach Frankreich einer der größten Stopfleber-Produzenten der Welt — fehlt erwartungsgemäß jede Unterschrift.
Animal Equality fordert ein vollständiges Verbot der Zwangsmast in der EU und ein Importverbot für Stopfleber-Produkte in allen Mitgliedstaaten. Solange das nicht kommt, bleibt die rechtliche Lage das, was sie ist: Tierquälerei ist verboten, solange sie im Ausland stattfindet.

Mehr dazu: Animal Equalitys Kampagne „Das Ende der Zwangsmast“

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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