Doppelpass-Boom: Der deutsche Pass wird zur Zweitkarte

Symbolbild: einzelner Pass auf einem dunklen Amtsschreibtisch
Symbolbild: Staatsangehörigkeit und Einbürgerung.

Wie ntv berichtet, entscheidet sich die überwiegende Mehrheit der neuen deutschen Staatsbürger für den Doppelpass. In ausgewerteten Städten behalten demnach sehr viele Eingebürgerte ihre alte Staatsangehörigkeit.

Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der Kern der Reform. Seit Juni 2024 erlaubt das neue Staatsangehörigkeitsrecht Mehrstaatigkeit grundsätzlich. Wer den deutschen Pass bekommt, muss seine bisherige Staatsangehörigkeit in der Regel nicht mehr aufgeben. Aus Einbürgerung wird Add-on-Politik.

Die Verteidiger nennen das modern. In Wahrheit wird der deutsche Pass entwertet. Früher stand Einbürgerung zumindest dem Anspruch nach für eine klare Entscheidung: neues Land, neue Rechte, neue Pflichten, neue Bindung. Jetzt wirkt der Pass zunehmend wie eine zweite Karte im Portemonnaie. Nützlich, praktisch, aber politisch nicht mehr eindeutig.

Die Wartezeit wurde verkürzt. Nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt kann eine Einbürgerung möglich sein, bei besonderen Integrationsleistungen sogar früher. Gleichzeitig bleibt die alte Staatsangehörigkeit bestehen. Wer daraus keine Loyalitätsfrage machen will, macht Staatsbürgerschaft zur Verwaltungsleistung. Antragsteller müssen Sprachkenntnisse, Lebensunterhalt und Straffreiheit nachweisen. In der Praxis gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese Hürden zu umgehen. Die Botschaft ist klar. Deutschland verlangt immer weniger Entscheidung und verteilt immer mehr Status. Wer den Pass zur Zweitkarte macht, darf sich später nicht wundern, wenn der Begriff Staatsvolk nur noch wie ein alter Aktenvermerk klingt.


Quellen

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