Was früher als Problem „bildungsferner Schichten“ angeprangert wurde, soll nun offenbar umgedreht werden: Eltern, die Kinder bewusst vor Bildschirmzwang, Dauer-Apps und Frühdigitalisierung schützen wollen, könnten nach Darstellung von Demo für Alle bald selbst ins Visier geraten. Der Grund ist eine Empfehlung, einen Tatbestand „digitale Vernachlässigung“ im Bürgerlichen Gesetzbuch zu verankern.
Hintergrund sind Empfehlungen einer von Familienministerin Karin Prien eingesetzten Expertenkommission. Demo für Alle warnt, diese zielten auf eine massive Ausweitung digitaler Frühprägung. Schon Sechsjährige sollen demnach ein sogenanntes „KI-Seepferdchen“ ablegen, der Kindergarten werde zur ersten Station am Bildschirm, und digitale Bildung solle noch tiefer in frühe Kindheit und Familienleben hineinregieren.
Der schwerste Punkt ist der geplante Begriff „digitale Vernachlässigung“. Was genau darunter fallen soll, bleibt unklar. Genau darin liegt die Gefahr. Ein solcher Gummibegriff kann schnell gegen jene Eltern verwendet werden, die nicht jeden Trend mitmachen, die Bildschirmzeit begrenzen, Smartphones aus Kinderzimmern verbannen oder ihre Kinder bewusst analog aufwachsen lassen wollen.
Die Absurdität ist offensichtlich. Jahrelang hieß es, zu viel Medienkonsum sei ein Zeichen von Verwahrlosung, fehlender Bildung und mangelnder elterlicher Kontrolle. Jetzt droht plötzlich das Gegenteil: Wer Kindern zu wenig digitale Frühdressur zumutet, könnte als problematisch gelten. Aus vernünftiger Vorsicht würde dann staatlich verdächtige Rückständigkeit.
Damit würde Medienerziehung nicht länger zuerst Sache der Eltern sein, sondern ein Feld für Ämter, Meldestellen, Gutachten und staatliche Interpretation. Im schlimmsten Fall könnte aus der Frage, ob ein Kind genug am Bildschirm sitzt, ein Eingriff in das Elternrecht werden. Genau davor warnt Demo für Alle: Das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern geriete unter staatlichen Vorbehalt.
Besonders dreist ist der politische Reflex dahinter. Wenn Eltern ihre Kinder mit Tablets ruhigstellen, wird das als Problem beschrieben. Wenn der Staat Kita, Schule und Familie digital auf Linie bringen will, heißt es Fortschritt. Dabei brauchen kleine Kinder vor allem Bindung, Sprache, Bewegung, Spiel, echte Erfahrung und erwachsene Aufmerksamkeit. Kein KI-Abzeichen ersetzt Eltern, Bücher, Natur, Gespräche und freie Kindheit.
Demo für Alle fordert deshalb, die Aufnahme eines Tatbestands „digitale Vernachlässigung“ ins BGB zu stoppen, digitale Pflichtangebote aus Kita und früher Kindheit herauszuhalten und klarzustellen: Medienerziehung ist und bleibt Elternsache.
Wer diesen Eingriff in das Elternrecht stoppen will, sollte die Petition „Nein zur digitalen Erziehungskontrolle durch den Staat“ unterzeichnen und weiterverbreiten. Jede Unterschrift erhöht den Druck auf die Verantwortlichen, bevor aus einem Kommissionspapier der nächste staatliche Zugriff auf Familien wird.







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