Das Königreich Bhutan mit seinen rund 800.000 Einwohnern hat das Streben nach Glück in seine Verfassung aufgenommen. Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. In Bhutan gilt das Bruttonationalglück als wichtiger als unser deutsches Bruttosozialprodukt.
Wir täten deshalb gut daran, unsere Politiker erst ein halbes Jahr nach Bhutan zu schicken, zu einer ausgedehnten Klausurtagung im Glückstraining.
Das Glück wohnt auf 2.300 Metern
Bhutan liegt zwischen Indien und China am Südrand des Himalaja. Das Land ist ungefähr 300 Kilometer lang und 170 Kilometer breit. Die Hauptstadt Thimphu liegt auf rund 2.300 Metern über dem Meer. Rund 70 Prozent des Landes sind bewaldet. Die Verfassung schreibt sogar vor, dass mindestens 60 Prozent der Fläche für alle Zeiten Wald bleiben müssen.
Der König regelt das mit dem Glück
Der heutige König heißt Jigme Khesar Namgyel Wangchuck. Er wurde 1980 geboren und bestieg 2006 den Thron. Unter seiner Herrschaft trat 2008 die neue Verfassung in Kraft. Darin wurde das Streben nach Bruttonationalglück zum Staatsziel erhoben. Bhutan ist heute eine parlamentarische Monarchie mit Parteien, Wahlen und einer Regierung. Der König steht als moralische Autorität über dem politischen Alltag.
Der Staat untersucht 33 Merkmale aus neun Lebensbereichen.
Dazu gehören Gesundheit, Bildung, seelisches Wohlbefinden, Freizeit, Familie, Nachbarschaft, Kultur, Umwelt, Lebensstandard und gute Regierungsführung. Politische Vorhaben werden auch danach beurteilt, ob sie dem Bruttonationalglück dienen. Die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung sind kostenlos. Der Staat schützt die Wälder, pflegt die traditionelle Kultur.
Bhutan bringt seinen Kindern das Glück bereits in der Schule bei. Neben Rechnen, Schreiben und Naturwissenschaften spielen Gemeinschaft, Charakterbildung, körperliche Bewegung und der Umgang mit der Natur eine wichtige Rolle.
Haben oder Sein
Den Bhutanern kommt ihr buddhistischer Glaube zu Hilfe. Er bevorzugt Gleichmut und Gelassenheit. Vielleicht trägt diese Lebenseinstellung dazu bei, alles lockerer zu sehen und dem Nächsten sein Glück zu gönnen. „Haben oder Sein“, wie Erich Fromm es formulierte, scheint hier eindeutig auf der Seite des Seins zu liegen. Glücklich kann auch sein, wer mit dem zufrieden ist, was er hat. Für uns Deutsche wäre das eine gewaltige Umstellung.
Fleiß gehört in Bhutan ebenfalls zum Glück. Erwerbstätige arbeiteten nach einer Erhebung von 2022 durchschnittlich 54,4 Stunden in der Woche. Viele sind in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, im Handel, im Staatsdienst, im Tourismus und in der Wasserkraft beschäftigt.
Teilhabe am Glück kostet 100 Dollar pro Tag zusätzlich
Das Touristenvisum gilt für die beantragte Aufenthaltsdauer und kostet einmalig 40 Dollar. Hinzu kommt eine Abgabe von 100 Dollar für jeden Aufenthaltstag. Dafür begleitet ein einheimischer Führer die Besucher auf ihren Unternehmungen.
Bei der großen Erhebung von 2022 galten 48,1 Prozent der Erwachsenen als umfassend oder tief glücklich. Die übrigen Bewohner erhielten die freundliche Bezeichnung „noch nicht ganz glücklich“.
Ein Weg für Deutschland
Den passenden deutschen Schlager gibt es bereits. Er müsste nur leicht umgedichtet werden: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttoglücksprodukt.“ So könnten wir uns den Bhutanern wenigstens spirituell annähern.








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