Die EU-Kommission bastelt an einer neuen Fahrzeugklasse namens M1E, die kleinen Elektroautos den Weg zu Kaufpreisen ab 15.000 Euro bahnen soll – inklusive Busspur-Nutzung, Gratisparken und Befreiung von City-Restriktionen, wie u. a. das Handelsblatt berichtet. Klingt nach einem netten Deal für Kleinwagenkäufer. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, bezahlt wird das Ganze über Subventionen, Strafzahlungs-Vermeidung der Konzerne und eine knallharte Abschottung gegen ausländische Konkurrenz.
Das Prinzip ist simpel. Die EU führt eine Unterkategorie der bestehenden Pkw-Klasse M1 ein, exklusiv für reine Elektroautos bis 4,20 Meter Länge. Verbrenner und Hybride sind komplett ausgeschlossen. Damit ein Hersteller wie Stellantis, Volkswagen oder Renault in diese Klasse fällt, muss das Fahrzeug in der EU produziert werden – Modelle wie der in China gebaute Dacia Spring oder der aus Südkorea stammende Hyundai Inster bleiben außen vor, obwohl sie technisch alle Vorgaben erfüllen würden. Auch die elektrischen Mini-Modelle von BMW fallen durch, weil ihre Endmontage derzeit in China läuft. Wer glaubt, hier ginge es um Klimaschutz oder Verbraucherinteressen, irrt. Es geht um Industriepolitik gegen „Made in China“.
Den eigentlichen Trick liefert das sogenannte Super-Credit-System. Jedes verkaufte M1E-Fahrzeug fließt nicht mit dem Faktor 1,0 in die CO₂-Flottenbilanz der Hersteller ein, sondern mit 1,3 – wird also bilanziell wie 1,3 Autos gezählt. Damit können Konzerne ihre gesetzlich vorgeschriebenen Flottenziele erreichen, ohne dass sie bei ihren großen, profitablen SUV-Modellen tatsächlich schneller elektrifizieren müssten. Umweltverbände nennen das selbst ein Schlupfloch. Der eigentliche Ertrag für die Hersteller entsteht also nicht am Verkaufspreis des Kleinwagens, sondern durch vermiedene Strafzahlungen auf Konzernebene – eine Rechnung, die ohne die regulatorische Konstruktion gar nicht aufginge.
Dazu kommt ein zehnjähriges „Freeze“: Einmal zugelassene M1E-Modelle müssen ein ganzes Jahrzehnt lang nicht an neue Vorschriften für Assistenzsysteme angepasst werden. Für die Industrie spart das Entwicklungskosten, für Sicherheitsforscher ist es aus genau diesem Grund ein Problem – neue Erkenntnisse zur Unfallprävention werden zehn Jahre lang schlicht nicht eingebaut, wie auch ein Bericht von Giga zu den geplanten Vorteilen für M1E-Fahrer feststellt.
Wer schon jetzt einen Verbrenner fährt, bekommt die Konsequenzen direkt zu spüren. M1E-Kleinwagen sollen in Innenstädten künftig von Beschränkungen ausgenommen werden, die für „normale“ Fahrzeuge gelten könnten. Kommunen sollen rechtssicher eigene Privilegien einführen dürfen: Kostenloses Parken, Nutzung von Busspuren, Erlass von City-Mauten, alles exklusiv für die kleinen Stromer, während der Rest des Verkehrs draußen bleibt oder draufzahlt.
Auf die Spitze treibt es das deutsche Förderkarussell. Wer zu einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 45.000 Euro gehört, kassiert bis zu 5.000 Euro Kaufprämie, bei zwei oder mehr Kindern bis zu 6.000 Euro, rückwirkend für alle Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026. Zehn Jahre Befreiung von der Kfz-Steuer, ein auf 0,25 Prozent reduzierter geldwerter Vorteil bei Dienstwagen-Privatnutzung, steuerfreies Laden beim Arbeitgeber und obendrauf die verkaufbare THG-Prämie von 165 bis 215 Euro pro Jahr. Macht zusammengerechnet eine „Ente“ für unter 10.000 Euro – finanziert über Steuergeld und CO₂-Zertifikate, nicht über echte Marktpreise.
Dass die viel zitierte 15.000-Euro-Marke bislang reine Theorie ist, gibt selbst das Handelsblatt zu: Kein einziges der bereits qualifizierenden Modelle, z.B. Renault 5 E-Tech, Citroën ë-C3, VW ID.Polo, Kia EV2, kostet aktuell auch nur annähernd so wenig. Ob die Hersteller die Super-Credit-Gewinne tatsächlich an die Kunden weitergeben oder lieber in die eigene Marge umleiten, bleibt offen. Die formelle Verabschiedung im EU-Amtsblatt wird bis Mitte des Jahres erwartet, das Inkrafttreten der Typgenehmigungsregeln ist für Anfang 2027 geplant.
Quellen:
- Handelsblatt: E-Klasse: So sollen elektrische Kleinwagen aus Europa günstiger werden
- Giga: Verbrenner fahren ins Abseits: Neue EU-Regel macht E-Autos noch attraktiver







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