Bahnfahren: Jeder Dritte hat die Schnauze voll und wählt den PKW

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Bahnstrecke FFM / Foto: F-News

Ein Drittel der Deutschen meidet Zugfahrten mit der Deutschen Bahn, wann immer es irgendwie geht. 26 Prozent planen wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit ihr. Das berichtet t-online auf Basis der aktuellen Mobilitätsstudie des Versicherers HUK-Coburg – und wer sich auch nur gelegentlich in einen deutschen Zug wagt, weiß warum.

Die offiziell genannte Begründung sind natürlich die chronischen Verspätungen. Die Bahn selbst kommuniziert ihre Pünktlichkeitsquoten inzwischen mit der Schamlosigkeit eines Lotterieveranstalters, der den Jackpot feiert, während neun von zehn Teilnehmern leer ausgehen. Doch Verspätungen sind längst nicht das einzige Problem. Was in der braven HUK-Pressemitteilung erwartungsgemäß fehlt: die Zunahme von Gewalt, Belästigungen und dem allgemeinen Klima der Einschüchterung in Zügen und auf Bahnhöfen. Wer abends allein mit der Bahn unterwegs ist – besonders Frauen –, kennt das ungute Gefühl auf bestimmten Strecken und Bahnhöfen nur zu gut. Diese Realität wird politisch totgeschwiegen, weil sie unbequeme Fragen aufwirft.

Das Ergebnis ist eine stille Abstimmung mit den Rädern. Das Auto verzeichnet 76 Prozent Zustimmung als Verkehrsmittel der Zukunft – und ausgerechnet bei den Jungen, denen die Verkehrswendenpolitiker jahrelang das schlechte Gewissen einzureden versuchten, ist der Sinneswandel am deutlichsten: Die Pkw-Begeisterung der unter 40-Jährigen ist in vier Jahren viermal so stark gestiegen wie bei den Älteren. Die Grünen-Phantasie vom fahrradfahrenden Großstadtjugendlichen, der freiwillig auf sein Auto verzichtet, hat sich endgültig als das herausgestellt, was sie immer war: eine Projektion von Leuten, die selbst im Dienstwagen sitzen.

Milliarden wurden in die Bahn gepumpt, Bundesverkehrsminister kamen und gingen, Sanierungspläne wurden präsentiert und wieder beerdigt. Das Ergebnis: Wer einen wichtigen Termin hat, kalkuliert inzwischen deutlich größere Zeitpuffer ein als noch vor zwei Jahren – oder lässt es gleich sein. Gleichzeitig fordern mehr als zwei Drittel der Befragten einen kostenlosen ÖPNV. Man will also etwas, das funktioniert und nichts kostet – ein Wunsch, der in Deutschland traditionell mit dem Ruf nach noch mehr Staatsgeld beantwortet wird, obwohl genau das die Misere mitverursacht hat.

Die Botschaft der Studie ist eigentlich simpel: Vertrauen wird nicht durch Werbekampagnen zurückgewonnen, sondern durch Züge, die pünktlich fahren, in denen man sich sicher fühlt und die man abends bedenkenlos betreten kann. Solange das nicht der Fall ist, bleibt die Bahn das, was sie für immer mehr Deutsche bereits ist: eine Option, die man lieber meidet.

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