Nächtliche Überfälle auf Tiergehege, blutende Wunden am Morgen, ratlose Bauern – und am Ende eine Kameraaufnahme, die keine Fragen mehr offenlässt. In den Pennes-Mirabeau, einer Gemeinde rund 20 Kilometer nordwestlich von Marseille, wurde ein 19-jähriger Mann afghanischer Herkunft festgenommen, weil er mehrfach in Ziegen- und Schafgehege eingedrungen sein soll, um die Tiere sexuell zu missbrauchen, wie La Provence berichtet.
Die Tiere wurden mit gefesselten Beinen und eindeutigen Genitalverletzungen aufgefunden. Weil die Behörden offenbar zunächst nicht reagierten, entschlossen sich die betroffenen Züchter, selbst zu handeln: Sie installierten Überwachungskameras an den neuralgischen Punkten ihrer Gehege. Die Nachtaufnahmen lieferten das Beweisstück: Man sieht einen jungen Mann, der in das Gehege eindringt und sich den Tieren nähert. Zweifel blieben keine. Das Material wurde der Polizei übergeben, die Brigade Anti-Criminalité (BAC) identifizierte den Verdächtigen und nahm ihn in der Nacht vom 10. auf den 11. April auf frischer Tat fest. Er sitzt seitdem in Polizeigewahrsam.
Dem 19-Jährigen droht eine Anzeige wegen Tierquälerei nach Artikel 521-1 des französischen Strafgesetzbuchs. Sexuelle Gewalt an Tieren ist in Frankreich bis heute kein eigenständiger Straftatbestand – eine rechtliche Lücke, gegen die Tierschutzverbände seit Jahren kämpfen. Wie viele Tiere seit Jahresbeginn 2026 Opfer wurden und ob weitere Höfe in der Umgebung betroffen sind, wird noch ermittelt.
Was den Fall über das rein Kriminelle hinaushebt: Er passiert nicht im Nirgendwo, sondern am Rand einer der größten Städte Frankreichs. Und er zeigt einmal mehr, wie Bürger in die Rolle von Ermittlern gedrängt werden, weil staatliche Stellen zu langsam reagieren – oder gar nicht.
Quellen: La Provence | Le Tribunal du Net | Linfo.re






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