Der Harvard-Astrophysiker Avi Loeb berichtet in einem neuen Beitrag auf Medium, er sei gebeten worden, einen wissenschaftlichen Beirat zu ungeklärten anomalen Phänomenen, kurz UAP, für die US-Regierung zusammenzustellen. Das Gremium soll die wissenschaftliche Untersuchung entsprechender Beobachtungen unterstützen.
Abraham „Avi“ Loeb ist ein israelisch-amerikanischer theoretischer Physiker und Professor für Wissenschaft an der Harvard University. Von 2011 bis 2020 leitete er dort die astronomische Fakultät. Außerdem gründete er das Galileo Project, das mit Teleskopen, Kameras und weiteren Sensoren nach belastbaren Daten zu ungewöhnlichen Objekten am Himmel und im Weltraum sucht. Loeb vertritt seit Jahren die Auffassung, dass ungewöhnliche Beobachtungen mit offen zugänglichen Daten und den üblichen wissenschaftlichen Verfahren untersucht werden sollten.
Nach Loebs Darstellung soll der neue Beirat Fachwissen aus mehreren Bereichen zusammenführen. Dazu gehören Astronomie und Astrophysik, Atmosphärenforschung, die historische Untersuchung von UAP-Berichten sowie praktische Erfahrungen aus der militärischen Luftfahrt. Ziel sei nicht, eine außerirdische Herkunft der Phänomene vorauszusetzen, sondern die vorhandenen Daten zu bewerten und wissenschaftlich überprüfbare Untersuchungsmethoden zu empfehlen.
Loeb schreibt, dass bei der Auswertung zunächst bekannte Erklärungen berücksichtigt werden müssten. Dazu zählen Flugzeuge, Drohnen, Ballons, Satelliten, astronomische Objekte, atmosphärische Erscheinungen und Fehler von Kameras oder anderen Sensoren. Fälle, die sich damit nicht erklären lassen, sollten mit besseren Instrumenten und vollständigen Messdaten weiter untersucht werden.
Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt auf der Qualität der Datenerhebung. Einzelne Augenzeugenberichte oder unscharfe Videos reichten nach Loebs Auffassung nicht aus. Benötigt würden zeitgleich arbeitende optische, infrarote, akustische und gegebenenfalls Radarsensoren. Messungen müssten nachvollziehbar dokumentiert und Ergebnisse unabhängig überprüft werden können.
Der Beirat soll Loeb zufolge Empfehlungen dazu erarbeiten, welche Daten für eine wissenschaftliche Bewertung benötigt werden und wie Behörden, Forschungseinrichtungen und unabhängige Wissenschaftler zusammenarbeiten könnten. Er spricht sich für eine sachliche Behandlung des Themas aus, die weder ungewöhnliche Erklärungen grundsätzlich ausschließt noch aus ungeklärten Beobachtungen voreilige Schlüsse zieht.
Loeb verbindet den Vorschlag mit den jüngsten Veröffentlichungen der US-Regierung zu UAP-Fällen. Ob und in welcher organisatorischen Form das Gremium dauerhaft arbeiten wird, geht aus seinem Beitrag noch nicht im Einzelnen hervor. Nach seiner Darstellung soll es der Regierung wissenschaftlichen Rat geben und dazu beitragen, die Untersuchung ungeklärter Beobachtungen auf eine besser überprüfbare Datengrundlage zu stellen.






