Wie Vanessa Behrendt auf X in einem vielbeachteten Beitrag berichtet, geht die niedersächsische AfD-Politikerin frontal auf Netflix los. Anlass ist eine Szene aus der Serie The Sandman, in der Figuren in Papst- und Kardinalsgewändern sich küssen. Behrendt spricht von einer gezielten Provokation gegen Christen und fordert Konsequenzen bis hin zum Boykott des Streamingdienstes.
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Empörung nicht. Auch das katholische Medium The Catholic Herald berichtete über heftige Reaktionen auf die Szene. Dort wird erläutert, dass es sich innerhalb der Handlung nicht um den echten Papst handelt, sondern um die Trickster-Figuren Loki und Puck in Verkleidung. Dennoch räumt selbst das Blatt ein: Die Nutzung päpstlicher Symbolik sei bewusst provokant gewählt worden.
Genau hier trifft Behrendt einen wunden Punkt. Immer wieder wird christliche Symbolik in Filmen und Serien als billiges Stilmittel benutzt: Kirchen, Kreuze, Priester, Papst – alles scheint zur freien Zielscheibe geworden zu sein. Produzenten verkaufen das dann gern als „mutige Kunst“. Tatsächlich wirkt es oft eher wie kalkulierte Respektlosigkeit gegenüber einer Gruppe, von der man wenig Gegenwehr erwartet.
Behrendts Kernvorwurf lautet: Bei anderen Religionen wäre man deutlich vorsichtiger. Ob man diese Zuspitzung teilt oder nicht – die Doppelmoral-Debatte ist real. Sechs islamische Golfstaaten drohten Netflix 2022 mit rechtlichen Konsequenzen, sobald Inhalte gegen islamische Werte verstießen – und der Konzern reagierte prompt. Christen hingegen, so die Kritik, sollen Spott klaglos ertragen. Während Heise damals über die islamischen Forderungen berichtete, blieb vergleichbarer Druck christlicher Seite weitgehend folgenlos.
Natürlich darf Kunst provozieren. Aber auch Zuschauer dürfen reagieren – mit Kritik, Kündigung oder Boykott. Genau das ist Meinungsfreiheit in beide Richtungen.
Vanessa Behrendt spricht damit vielen aus der Seele: Wer Toleranz fordert, sollte auch Respekt zeigen. Wenn große Konzerne Glaubenssymbole nur noch als Requisiten für billige Effekte sehen, darf Gegenwind nicht überraschen.






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