Rund 1,2 Millionen Euro Fördergeld, ein Integrationsverein ohne erkennbare Projekte und nun der Bericht einer Hinweisgeberin über massive Einschüchterung: Die Affäre um die frühere SPD-Ratspolitikerin Hülya Iri erschüttert Hannover.
Im Zentrum steht der inzwischen insolvente Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“. Nach Recherchen von NDR und weiteren Medien bewilligten öffentliche Stellen dem Verein über Jahre hohe Summen. Allein das Land Niedersachsen zahlte rund 400.000 Euro aus. Insgesamt sollen rund 1,2 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und EU-Töpfen geflossen sein.
Viel Geld – doch wo sind die Projekte?
Rund 740.000 Euro waren nach Medienberichten für ein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördertes „Respekt-Café“ bestimmt. Die Begegnungsstätte soll jedoch nie eröffnet worden sein. Bei einem unangekündigten Besuch Anfang 2026 fanden Mitarbeiterinnen des BAMF demnach kein Café vor. Förderbehörden fordern inzwischen knapp 1,14 Millionen Euro zurück.
Die Staatsanwaltschaft Hannover und die Europäische Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug, Betrug und Untreue. Im Raum stehen zudem hohe Zahlungen vom Vereinskonto an Iri und ihre Tochter. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Iri wies Vorwürfe laut Radio Hannover zurück.
Hinweisgeberin berichtet von Todesdrohung
Eine neue Reportage der Jungen Freiheit verschärft den Fall. Eine Hinweisgeberin erklärt darin, sie habe bereits 2024 führende Stellen der SPD über mögliche Unregelmäßigkeiten informiert. Eine erkennbare Reaktion sei ausgeblieben.
Später seien Scheiben ihres Hauses eingeschlagen und ihr Auto schwer beschädigt worden. Nach Darstellung der JF zeigt ein Überwachungsvideo Iri und deren Ehemann am Grundstück der Frau. In einer von der Redaktion herangezogenen Übersetzung soll zudem eine Todesdrohung zu hören sein. Ob die Sachbeschädigungen mit der Fördergeld-Affäre zusammenhängen und wie die Äußerung strafrechtlich einzuordnen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Die SPD reagierte erst unter öffentlichem Druck
Politisch ist die Affäre verheerend. Erst nachdem der Fall öffentlich geworden war, begann die SPD Hannover über neue Transparenz- und Compliance-Regeln zu beraten. Der Parteivorsitzende Adis Ahmetović kündigte null Toleranz an, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.
Hier versagte nicht nur die Kontrolle über enorme Fördersummen. Wenn frühe Warnungen tatsächlich in den Parteistrukturen versandeten und eine Hinweisgeberin anschließend um ihre Sicherheit fürchten musste, geht es um weit mehr als schlampige Aktenführung. Dann steht der Verdacht im Raum, dass politische Netzwerke wichtiger waren als der Schutz von Steuergeld und Aufklärern. Genau das müssen Ermittler und Partei jetzt lückenlos offenlegen.



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