Zwischen 2021 und 2023 haben rund 1.300 Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten die Produktion ins Ausland verlagert. Netto gingen dadurch etwa 50.800 Stellen in Deutschland verloren.
Der alte Spruch vom „starken Arm“
„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ galt früher als der Kampfruf der Arbeiter am Werkstor. Diese Arbeiter sind jedoch zugleich die Wähler der Altparteien, die in der Wahlkabine am Ast sägen, auf dem sie sitzen.
Die starken Arme finden immer weniger Räder, die sie hier zum Stillstand bringen könnten – weil immer mehr Räder gar nicht mehr in Deutschland stehen. Die Firmen wurden nicht „verlagert“, sondern vertrieben durch hohe Energiepreise, eine erdrückende Bürokratie und hohe Steuern. Eine Politik, die am 1. Mai gern die „Arbeit“ feiern will, aber Betriebe wie eine lästige Umweltverschmutzung behandelt, braucht sich nicht zu wundern.
Deutsche Arbeitgeber flüchten
Sie flüchten nicht vor ihren treuen Angestellten, nicht vor dem Mann am Band, nicht vor der Frau in der Logistik und nicht vor dem Meister, der seit dreißig Jahren weiß, welche Maschine morgens als Erstes Zuwendung braucht. Sie flüchten vor den politischen Rahmenbedingungen. Sie bauen im Ausland neue Werke und überweisen die Jobs hierzulande ans Arbeitsamt.
Die Liste ist keine Panne, sie ist ein System
- Bosch will in der Zuliefersparte allein in Deutschland rund 22.000 Stellen streichen.
- VW plant bis 2030 den Abbau von mehr als 35.000 Stellen (bei der Kernmarke).
- ZF will in Deutschland bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Stellen abbauen.
- Thyssenkrupp Steel baut ab oder gliedert rund 11.000 Arbeitsplätze aus.
- Schaeffler streicht in Europa 4.700 Stellen, davon rund 2.800 in Deutschland.
- Miele baut 1.300 Arbeitsplätze in Deutschland ab – bis zu 700 davon aus der Waschmaschinenfertigung wandern nach Polen.
- Continental streicht weitere 3.000 Stellen in Forschung und Entwicklung (davon 1.450 in Deutschland) und schließt den Standort Nürnberg komplett.
- Audi will bis 2029 insgesamt 7.500 Stellen in Deutschland abbauen, vor allem in Verwaltung und Entwicklung.
- Meyer Burger hat seine Werke in Deutschland geschlossen – rund 500 Stellen sind weg. Ausgerechnet bei der Solartechnik, wo Deutschland einst die Zukunft bestellen wollte.
- BASF hat Tausende Stellen abgebaut (ein erheblicher Teil davon in Deutschland) und baut gleichzeitig sein milliardenschweres neues Riesenwerk in Zhanjiang, China.
Das sind keine Einzelfälle. Das ist kein schlechter Monat. Das ist ein Standort, der seine eigenen Fabriken systematisch aus dem Land hustet und sich hinterher wundert, warum vor dem Werkstor plötzlich so viel Ruhe herrscht.
Hinzu kommen die Zehntausenden mittleren und kleineren Betriebe, die sang- und klanglos untergehen. Allein im Jahr 2024 waren durch Unternehmensinsolvenzen rund 170.000 bis 285.000 Arbeitsplätze betroffen.
Der 1. Mai bekommt eine neue Pointe
Die traditionelle Feier am Maibaum wird teurer, die Maß Bier kostet mehr als letztes Jahr. Die Bratwurst auch. Und man fragt sich ernsthaft, ob man sich beides überhaupt noch leisten kann. Der starke Arm der Politik hat inzwischen nicht nur die Räder, sondern gleich den ganzen Geldbeutel stillgelegt.
Der klassische 1.-Mai-Spruch hat sich endgültig umgedreht. Früher wollten die Arbeiter mit ihrem starken Arm die Räder einen Tag stilllegen, um bessere Bedingungen zu erkämpfen. Heute legt die Politik die Räder so gründlich still, dass bald gar keine Räder mehr da sind, an denen man drehen könnte.
Frohen 1. Mai.






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