Pünktlich zum Muttertag liefert das Statistische Bundesamt eine Zahl, die in bestimmten Kreisen als Skandal gilt: Nur 39,7 % der Mütter mit Kindern unter drei Jahren gehen einer Erwerbstätigkeit nach — wie Destatis in seiner „Zahl der Woche“ zum 10. Mai mitteilt. Der unausgesprochene Subtext: zu wenig. Zu viele Mütter leisten sich offenbar noch den Luxus, ihre Kleinkinder selbst zu betreuen.
Dabei hat sich die Quote in den vergangenen zehn Jahren bereits deutlich erhöht. 2015 lag sie bei 36,0 %, heute sind es 39,7 % — ein Anstieg von fast vier Prozentpunkten. Fortschritt, könnte man sagen. Oder: immer mehr Mütter von Kleinkindern werden in den Arbeitsmarkt gedrängt, während die Kita-Lobby jubelt.
Die Väterquote wird pflichtgemäß daneben gestellt — 88,7 % der Väter mit Kindern unter drei Jahren sind erwerbstätig — und soll offenbar als Maßstab dienen, dem Mütter sich anzunähern haben. Dass Männer und Frauen möglicherweise unterschiedliche Lebensentwürfe verfolgen, unterschiedliche Prioritäten setzen und das vielleicht sogar freiwillig tun, kommt in dieser Betrachtung nicht vor.
Immerhin: Wenn die Kinder älter werden, steigt auch die Erwerbsquote der Mütter — auf 71,2 % bei Müttern mit minderjährigen Kindern. Viele Frauen kehren also nach einigen Jahren ins Berufsleben zurück, wenn die Kinder nicht mehr im Krippenalter sind. Ein völlig normales Muster, das seit Generationen funktioniert. Für die Gleichstellungsindustrie ist es dennoch ein Defizit, das es zu beseitigen gilt.
Was die Statistik verschweigt: ob die befragten Mütter ihre Situation als Problem empfinden. Ob sie sich mehr Krippe wünschen — oder weniger Druck. Ob sie selbst entschieden haben, in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder zu Hause zu bleiben. Solche Fragen stellt Destatis nicht. Sie passen nicht ins Narrativ.
Die Botschaft zum Muttertag 2026 lautet damit unverblümt: Eine gute Mutter arbeitet. Wer das nicht tut, ist ein statistisches Problem.
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