Madrid. Das muss die vielbeschworene christliche Nächstenliebe sein. Der Franziskanerorden predigt Demut und Verzicht – und schickt die Polizei, wenn die Miete nicht stimmt. Laut Euronews hat die Venerable Orden Tercera de San Francisco de Asís (VOT) am 7. Mai in Madrid einen 67-jährigen Rentner namens Mariano Ordaz aus jener Wohnung werfen lassen, in der er seit seiner Geburt gelebt hatte. Fünf Räumungsversuche brauchte der Orden dafür – beim letzten rückte ein Grossaufgebot von über 50 Polizeibeamten mit bis zu acht Mannschaftswagen an. Aktivistinnen und Nachbarn leisteten stundenlang Widerstand. Vergeblich.
Ordaz bezieht eine Rente von rund 1.030 Euro im Monat. Der Orden verlangte höhere Miete und die Begleichung eines aufgelaufenen Rückstandes von 15.000 Euro – für jemanden mit diesem Einkommen schlicht nicht zu stemmen. Jetzt hofft er auf ein Zimmer bei einem Freund für rund 400 Euro im Monat. Mehr Optionen hat er nicht.
Was die Sache besonders grotesk macht: Der Orden, der hier als knallharter Vermieter auftritt, besitzt allein im Zentrum Madrids über 300 Wohnungen und betreibt nebenbei das Krankenhaus VOT San Francisco de Asís – steuerbefreit, versteht sich. Das Mietersyndikat Sindicato de Inquilinas de Madrid (InquilinatoMad) nennt die VOT einen Akteur, der sein Immobilienvermögen wie ein Investmentfonds bewirtschaftet, und ruft zu weiteren Protesten auf. Mehrere Mieter berichten, der Orden habe die Wohnungen absichtlich verkommen lassen – undichte Dächer, zerbrochene Fenster, rostige Leitungen –, um die Bewohner mürbe zu machen. Die Renovierungskosten sollten die Mieter selbst tragen. Nun rechtfertigt die Gemeinschaft die Räumung mit genau jenem Verfall, den sie selbst zu verantworten hat.
Der Fall steht nicht für sich allein. Das Räumungsmoratorium, das zuletzt einen gewissen Schutz bot, lief am 26. Februar im Kongress aus – die rechten Parteien stimmten dagegen. Das Sindikat warnt vor bis zu 60.000 drohenden Zwangsräumungen besonders verletzlicher Haushalte im gesamten Staat. Madrid ist dabei das Epizentrum: 44 Monate in Folge steigende Mieten, ein Plus von 33 Prozent seit März 2022, im zentralen Bezirk allein ein Jahresanstieg von 21 Prozent, Mietpreise kaum noch unter 2.000 Euro. Wer hier keine gut bezahlte Stelle hat, fliegt raus – ob von einem profitorientierten Konzern oder von einem Orden, der das Armutsgelübde offenbar nur nach innen lebt.
Für den 24. Mai ist in Madrid eine Grossdemonstration unter dem Motto „La vivienda nos cuesta la vida“ angekündigt, Start um 12 Uhr am Bahnhof Atocha.
Ein 67-jähriger Mann namens Mariano Ordaz wurde nach dem fünften Räumungsversuch aus seiner seit Geburt bewohnten Wohnung in Madrid zwangsgeräumt. Der Vermieter, die katholische Ordensgemeinschaft Venerable Orden Tercera de San Francisco (VOT), forderte höhere Miete und die Begleichung von Schulden, obwohl er nur eine kleine Rente von rund 1030 Euro hat.Aktivistinnen und Nachbarn leisteten stundenlang Widerstand, der schließlich mit großem Polizeiaufgebot (über 50 Beamte) gebrochen wurde.
Das Mietersyndikat InquilinatoMad kritisiert die Räumung und ruft zu Protesten auf.






Antworte auf den Kommentar von Dr.Faustus hat beschlossen und verkündet 👈 Antwort abbrechen