Kim Dotcom meldet sich nach seinem schweren Schlaganfall mit einer düsteren Warnung zurück. Im Gespräch mit Tucker Carlson warnt der Megaupload-Gründer, Regierungen könnten praktisch jede digitale Kommunikation erfassen, aus den Daten vollständige Bürgerprofile bilden und diese anschließend für gezielte Propaganda nutzen. Künstliche Intelligenz mache aus der bisherigen Datensammlung ein Instrument, das „alles über jeden“ wissen könne.
Auf Carlsons Frage, wie viel Privatsphäre Bürger in den USA oder Neuseeland noch hätten, antwortet Dotcom knapp: Nicht viel. Telefonate, Videogespräche, besuchte Internetseiten, verwendete Programme und Geräte würden erfasst. Der Zweck gehe nach seiner Darstellung weit über gewöhnliche Strafverfolgung hinaus. Aus den Daten ließen sich Gruppen bilden, Stimmungen erkennen und Menschen mit genau zugeschnittenen Botschaften beeinflussen, etwa um Zustimmung für einen Krieg zu erzeugen.
Seine radikalste Aussage betrifft verschlüsselte Messenger. Weder WhatsApp noch iMessage und nicht einmal Signal seien nach Dotcoms Überzeugung wirklich sicher. Er bezeichnet Signal sogar als besonders problematisch, weil viele Menschen der Anwendung vertrauten. Einen technischen Beleg für eine Hintertür legt er im Interview allerdings nicht vor. Signal erklärt seinerseits, Nachrichten und Anrufe seien Ende-zu-Ende verschlüsselt, der Quellcode sei öffentlich prüfbar und das Unternehmen könne auf die Kommunikationsinhalte nicht zugreifen.
Dotcom bleibt dennoch bei seiner Warnung: Wer ein wirklich privates Kommunikationsgerät anbiete, werde von Behörden zur Einrichtung eines Zugangs gedrängt oder juristisch verfolgt. Vollständig entkommen könne man der Überwachung nur, indem man sich vom Internet trenne. Damit wäre allerdings auch die moderne Kommunikation weitgehend beendet.
KI verschärfe diese Lage dramatisch. Sie könne riesige staatliche Datenbestände schneller auswerten, Beziehungen erkennen und aus zahllosen Einzelinformationen ein immer genaueres Profil erstellen. Genau in diese Richtung weist auch der Ausbau automatisierter Gesichtserkennung und Datenanalyse. F-News hat bereits dokumentiert, wie Live-Gesichtserkennung den Überwachungsstaat erweitert und wie der gesetzliche Ausbau von Datenspeicherung und biometrischer Suche vorangetrieben wird.
Auch für unabhängige Medien sieht Dotcom wenig Hoffnung. Medienmacht und staatliche Datenauswertung bildeten nach seiner Einschätzung einen gemeinsamen Kontrollapparat. Unabhängige Angebote könnten zwar vorübergehend große Reichweiten aufbauen, doch gegen die verbliebenen nicht kontrollierten Stimmen werde es früher oder später ein schärferes Vorgehen geben. Auf die Frage, wie sich Bürger dagegen wehren könnten, antwortet er ernüchtert: Nicht besonders viel.
Das Interview wechselt anschließend von der digitalen Kontrolle zur Weltpolitik. Dotcom erwartet den Niedergang der amerikanischen Vormachtstellung, eine schwere Finanzkrise und eine direkte militärische Konfrontation zwischen NATO und Russland. Die Kriege in der Ukraine und im Iran seien nach seiner Prognose für den Westen nicht zu gewinnen. Europa könne nur dann eine Zukunft haben, wenn es Frieden mit Russland schließe und sich aus der Abhängigkeit von Washington löse.
Donald Trump greift Dotcom frontal an. Er nennt ihn einen Lügner und hält einen Atomkrieg unter seiner Führung wegen Trumps Machtwillen und persönlicher Selbstüberschätzung für möglich. Auch diese Aussagen sind keine belegten Vorhersagen, sondern Dotcoms politische Einschätzung. Gerade ihre Schärfe zeigt jedoch, wie weit sich Teile des früheren Trump-Lagers inzwischen vom Präsidenten entfernt haben.
Dotcom spricht erkennbar langsamer und mit schweren sprachlichen Einschränkungen. 2024 hatte er einen Schlaganfall erlitten. Zugleich kämpft er weiter gegen seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Dort werden ihm im Zusammenhang mit Megaupload Urheberrechtsverletzungen, Geldwäsche und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Anfang Juli verlor er nach einem Reuters-Bericht einen weiteren Rechtsbehelf gegen die Auslieferung.
Ob Dotcom mit jeder technischen Behauptung recht hat, ist die eine Frage. Sein Hauptpunkt lässt sich jedoch nicht wegwischen: Staaten und Konzerne sammeln längst Datenmengen, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar waren. Mit KI werden daraus keine toten Archive, sondern jederzeit durchsuchbare Lebensläufe ganzer Bevölkerungen. Die Technik dafür steht bereit. Die entscheidende Machtfrage lautet nur noch, wer sie bedienen darf.






