Das Portal ist noch immer nicht online, der Starttermin bereits verstrichen — und wer die Geschichte kennt, fühlt sich an ein berühmtes deutsches Versprechen erinnert, wie F-News heute schon berichtete. Damals hieß der Slogan: „Fünf Mark die Woche musst Du sparen — willst Du im eignen Wagen fahren.“ Der KdF-Wagen, Vorläufer des VW-Käfers, sollte ab 1938 die breiten Massen motorisieren. Es kam anders.
Was damals geschah
Insgesamt sparten 336.668 Deutsche für diesen Zweck 280 Millionen Reichsmark an. Der Staat organisierte das Sparsystem, die Propaganda versprach Volkswohlstand auf vier Rädern. Das von den Sparern eingezahlte Geld wurde treuhänderisch von der Deutschen Arbeitsfront verwaltet. Doch schon damals war das Versprechen für weite Teile der Bevölkerung kaum einlösbar: Facharbeiter, deren Tariflöhne damals bei weniger als 80 Pfennig pro Stunde lagen, konnten es sich schlicht nicht leisten, jede Woche für 5 Reichsmark Sparmarken zu erwerben. Das Volksauto war in Wahrheit vor allem eines für die Mittelschicht — genau wie heute.
Dann kam der Krieg. Weil im VW-Werk ab 1939 ausschließlich für den Kriegsbedarf produziert wurde, bekam keiner der über 330.000 KdF-Sparer einen Wagen. Selbst die 60.000 unter ihnen, die bis 1941 den Wagen bereits voll bezahlt hatten, bekamen diesen nie geliefert, da das Werk zum Rüstungsbetrieb umfunktioniert wurde. Was folgte, war jahrzehntelanges juristisches Gezerre. Die Prozesse endeten 1961 mit dem Angebot der Volkswagenwerk AG, den KdF-Sparern einen Rabatt von bis zu 600 DM beim Kauf eines Fahrzeugs zu gewähren — knapp einem Sechstel des Neupreises. Wer sich keinen neuen Wagen kaufen wollte oder konnte, erhielt bis zu 100 DM ausgezahlt.
Was heute anders ist — und was nicht
Die Parallele ist keine perfekte. Niemand muss heute auf ein staatliches E-Auto-Konto einzahlen, es gibt keine Sparkarten. Einen Krieg gibt es offiziell auch nicht — wobei das je nach Betrachtungswinkel diskutabel ist. Deutschland liefert seit Jahren Waffen in die Ukraine, finanziert Kiews Staatshaushalt mit, und die Bundeswehr wird mit Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe auf einen „möglichen Konflikt“ mit Russland hochgerüstet. Inoffiziell ist die Bundesrepublik längst Partei in einem Krieg, den sie offiziell nicht führt. Die Milliarden fließen — nur nicht zum Bürger.
Und genau das ist der Punkt: Drei Milliarden Euro soll das neue E-Auto-Förderprogramm bis 2029 umfassen, finanziert aus CO₂-Abgaben, die der Bürger selbst bezahlt hat. Gleichzeitig werden Rüstungsetats und Ukraine-Hilfen in einer Größenordnung beschlossen, die jeden Sozialbonus in den Schatten stellt. Wer glaubt, der Staat könne beides dauerhaft stemmen — großzügige Prämien für Elektroautos und eine vollständige Kriegstüchtigkeit gegen eine Atommacht — der unterschätzt, wie schnell sich Prioritäten verschieben, wenn es ernst wird.
Schon beim KdF-Wagen erwies sich die Behauptung, das Sparprogramm richte sich an die Arbeiterschaft, als Fiktion. Die große Mehrheit der Sparer stammte aus der Mittelschicht. Auch heute ist die neue E-Auto-Förderung sozial gestaffelt — klingt gut, schließt aber Geringverdiener ohne Neuwagenkaufkraft de facto aus, während Gutverdiener knapp unter der Einkommensgrenze am meisten profitieren. Gebrauchtwagen werden nicht gefördert. Das Antragsportal existiert Mitte Mai 2026 noch immer nicht.
Die Sparer haben damals den Versprechungen geglaubt und waren am Ende die Dummen. Das ist die bittere Lehre aus der KdF-Geschichte. Damals machte ein Weltkrieg das Versprechen zunichte. Was es heute sein wird — ein ausgeweiteter Krieg in Europa, leere Fördertöpfe, oder schlicht politisches Desinteresse, sobald die nächste Krise die Agenda bestimmt — ist offen. Aber wer auf ein Portal wartet, das der Staat bis heute nicht geöffnet hat, sollte die Frage zumindest stellen dürfen.






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