Wer vom Diesel genug hat, Benzinpreise satt ist und sich trotzdem noch nicht ans Elektroauto traut, landet früher oder später bei einer unspektakulären Alternative: LPG. Dacia verkauft seine ECO-G-Modelle seit Jahren als bivalente Benzin-/Autogas-Fahrzeuge — also als Autos mit zwei Tanks, zwei Kraftstoffoptionen und einem ziemlich nüchternen Versprechen: günstig fahren, ohne Ladeplanung.
Das klingt fast altmodisch. Genau deshalb ist es interessant. Während die Branche über E-Autos, Ladeinfrastruktur, Batteriepreise und politische Zieljahre streitet, bietet Dacia eine Lösung an, die nicht nach Zukunftslabor aussieht, sondern nach Tankstelle. Sandero, Sandero Stepway, Jogger, Duster und Bigster werden als ECO-G-Varianten angeboten. Laut Dacia startet der Motor mit Benzin, wechselt dann auf LPG und kann je nach Tankstand oder Fahrerwunsch automatisch oder manuell umschalten. Ist der LPG-Tank leer, fährt das Auto wie ein normaler Benziner weiter.
Das ist der wichtigste Praxispunkt: Wer LPG fährt, steht nicht hilflos herum, wenn gerade keine Autogas-Säule in der Nähe ist. Man tankt Benzin und fährt weiter. Dacia selbst schreibt, bei leerem LPG-Tank verhalte sich das Fahrzeug wie jedes andere Benzinfahrzeug. Für viele Fahrer ist genau das der Charme: Man bekommt einen günstigeren Kraftstoff, aber nicht die Reichweitenangst einer reinen Sonderlösung.
Auch das Tankstellennetz ist besser, als viele vermuten. Der Deutsche Verband Flüssiggas spricht von rund 6.000 Autogas-Tankstellen in Deutschland. Der ADAC nennt die Versorgung ausreichend und verweist auf Suchfunktionen wie Clever Tanken oder gas-tankstellen.de. Trotzdem gilt: Vor dem Kauf sollte man die eigene Umgebung prüfen. Wer auf dem Land wohnt, pendelt oder regelmäßig dieselbe Autobahn fährt, sollte wissen, wo LPG tatsächlich verfügbar ist.
Billiger ist LPG nicht automatisch pro Litervergleich, sondern pro 100 Kilometer. Autogas kostet weniger als Benzin, hat aber einen geringeren Energiegehalt. Der ADAC nennt deshalb je nach Motor, Gasanlage, Gaszusammensetzung und Fahrweise einen Mehrverbrauch von etwa 10 bis 30 Prozent. Die Rechnung geht also nur auf, wenn der Preisabstand groß genug bleibt. Genau das war lange der Fall — und auch heute liegt LPG meist deutlich unter Benzin und Diesel. Aber die goldenen Zeiten mit extrem billigem Autogas sind vorbei.
Hinzu kommt: Die alte Steuerromantik ist weg. Die frühere Begünstigung wurde stufenweise reduziert und endete Ende 2022. Trotzdem bleibt LPG steuerlich und preislich oft attraktiv genug, um für Vielfahrer, Familien und Preisbewusste interessant zu sein. Besonders spannend ist Dacia, weil die Technik ab Werk kommt. Keine Bastel-Umrüstung, keine Diskussion über Garantie, keine nachträgliche Abstimmung zwischen Motor und Gasanlage. ECO-G ist werksseitig integriert.
2026 legt Dacia sogar nach. Im Frühjahr kündigte die Marke ein größeres Produkt-Update an: Für Sandero, Sandero Stepway und Jogger kommt ein neuer ECO-G 120 mit 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbomotor. Er kann laut Dacia Presse-Service sowohl mit LPG als auch mit Benzin betrieben werden und ist erstmals auch mit Automatikgetriebe erhältlich. Für Duster und Bigster wurde zudem ein Hybrid-G-150-4×4 angekündigt, der Hybridtechnik, LPG-Benzin-Betrieb und Allrad kombiniert.
Das macht LPG nicht zur großen Zukunftstechnologie. Aber es macht Dacia zu einem der wenigen Hersteller, die Autofahrern noch eine bezahlbare Zwischenlösung anbieten. Wer zu Hause nicht laden kann, kein Vertrauen in öffentliche Ladepreise hat oder keine Lust auf Batteriepreise und Reichweitendebatten, bekommt hier einen Verbrenner mit Sicherheitsnetz: LPG, solange es verfügbar und günstig ist; Benzin, wenn nicht.
Die rechtliche Frage ist weniger dramatisch, als sie oft klingt. Das EU-2035-Thema betrifft vor allem neue CO₂-emittierende Pkw. Bestehende Fahrzeuge dürfen weiterfahren, gebraucht verkauft und betankt werden. Das Europäische Parlament erklärt ausdrücklich, dass die Regeln bestehende Fahrzeuge nicht betreffen. Wer heute einen LPG-Dacia kauft, kauft also kein Auto mit eingebautem Ablaufdatum für 2035. Was sich ändern kann, sind Preise, Steuern, Tankstellendichte und politische Stimmung.
Die Nachteile bleiben real. Der LPG-Tank sitzt häufig in der Reserveradmulde. Im Ausland können Adapter nötig sein. Nicht jede Tankstelle bietet Autogas. Der Wiederverkauf bleibt Nische. Und wer nur Kurzstrecke fährt, nutzt häufiger die Benzinphase, bevor der Motor warm genug für LPG ist. LPG ist also kein magischer Ausweg, sondern ein nüchterner Kompromiss.
Aber genau darin liegt sein Wert. Nach Jahren ideologischer Mobilitätsdebatten klingt der Dacia-Ansatz fast provokant bodenständig: zwei Tanks, einfacher Motor, niedriger Kaufpreis, keine Wallbox, keine Lade-App, kein Ladetarif-Dschungel. Für viele Autofahrer ist das keine Rückständigkeit, sondern Alltagstauglichkeit.
Vielleicht ist Dacia LPG deshalb der letzte günstige Verbrenner für Leute, die dem E-Auto noch nicht trauen. Nicht glamourös. Nicht politisch gefeiert. Aber für Pendler, Familien und Skeptiker womöglich genau die Lücke zwischen altem Diesel und teurem Elektroversprechen.
Quellen: Dacia, Dacia Presse-Service, ADAC, Deutscher Verband Flüssiggas, Europäisches Parlament






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