Während 2.211 antichristliche Hassdelikte in Europa dokumentiert sind, erklärt eine Spotify-Influencerin, Christen seien „keine marginalisierte Gruppe“ – und der Deutschlandfunk warnt lieber vor dem Begriff „Christenverfolgung“ als vor der Verfolgung selbst, wie Freie Welt berichtet.
Kim Victoria Koch, Influencerin mit eigenem Podcast, formulierte es in einer Spotify-Folge unumwunden: Christen seien keine marginalisierte Gruppe, auch wenn sie es „so sehr wollen“ würden. Christenverfolgung? Existiere zwar „irgendwo auf der Welt“, sei aber „nicht systematisch“. Das ist der Stand der Debatte in deutschen Mainstreammedien und sozialen Netzwerken.
Der Deutschlandfunk sekundiert auf seine Art: Der Begriff „Christenverfolgung“ sei mit Vorsicht zu genießen, weil er von Rechtspopulisten „instrumentalisiert“ werde. Bereits 2016 adelte man das Wort als „Reizwort, das Karriere macht“. Der taz-Redakteur Daniel Bax legt noch eine Schippe drauf: Er lehnt nicht nur den Begriff als „Kampfbegriff“ ab, sondern relativiert das Phänomen gleich mit – in betroffenen Ländern würden ohnehin alle verfolgt, die nicht der Mehrheit angehören. Problem gelöst, Thema erledigt.
Die Realität sieht anders aus. Die Wiener Beobachtungsstelle OIDAC Europe hat für 2024 exakt 2.211 antichristliche Hassdelikte in Europa erfasst. Persönliche Angriffe – Belästigungen, Drohungen, körperliche Gewalt – stiegen von 232 auf 274 Fälle. Brandanschläge auf Kirchen und christliche Einrichtungen haben sich mit 94 Fällen fast verdoppelt; allein 33 davon entfielen auf Deutschland. Die Länder mit den meisten Vorfällen: Frankreich (770), Großbritannien (502), Deutschland (337), Österreich (116). Die deutsche Polizeistatistik bestätigt den Trend: christenfeindliche Straftaten legten um 22 Prozent zu.
Neben physischer Gewalt und Vandalismus dokumentiert OIDAC auch strukturelle Diskriminierung: Benachteiligung im Arbeitsleben, an Universitäten und in der Medienberichterstattung, Fälle von „Debanking“ christlicher Organisationen, Einschränkungen der Gewissensfreiheit bei Abtreibung oder Geschlechterfragen sowie Konflikte um elterliche Rechte und religiöse Symbole im öffentlichen Raum. Viele Betroffene reagieren mit Selbstzensur.
Global ist das Bild noch eindeutiger. Laut dem Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors sind weltweit 388 Millionen Christen einem hohen bis extremen Verfolgungsdruck ausgesetzt – acht Millionen mehr als im Vorjahr und ein neuer Höchststand. In den 50 am stärksten betroffenen Staaten, darunter Nordkorea, Somalia, Jemen und Sudan, leben über 315 Millionen Christen unter sehr hohem bis extremem Druck.
Man darf gespannt sein, wann der Deutschlandfunk auch den Weltverfolgungsindex als „Reizwort“ einordnet.
Quellen:
1. Freie Welt – Christen in Europa zunehmend unter Druck






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