AfD als Opern-Dämon: Bonner „Freischütz“ macht Weber zur Parteibühne

Symbolbild zu politischem Theater und klassischer Oper
Symbolbild: Klassische Oper als politische Bühne

Die Bonner Operninszenierung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ sorgt für politischen Streit. Das Theater Bonn bewirbt die Neuproduktion von Regisseur Volker Lösch selbst als „Alptraum für Deutschland“ und als „Kraftwerk der Gefühle gegen Rechts“. Schauplatz ist der verlassene Bonner Bundestag, in dem der Aufstieg einer rechtsextremen Partei als Bedrohung der liberalen Demokratie erzählt werden soll.

Der kulturpolitische AfD-Fraktionssprecher Uwe von Wangenheim MdL sieht darin einen weiteren Beleg dafür, wie Teile des subventionierten Kulturbetriebs klassische Werke nur noch als Material für parteipolitische Agitation missbrauchten. Aus Webers romantischer Oper werde ein plumpes AfD-Feindbildstück, in dem Alice Weidel als Samiel und die AfD als apokalyptische Bedrohung erscheine.

Dass die Inszenierung politisch gemeint ist, bestreitet in Bonn niemand. Schon die offizielle Ankündigung spricht von einem „aufhaltsamen Aufstieg“ einer rechtsextremen Partei in einer „Gesellschaft der Angst“. Auch der Opernfreund besprach den Bonner „Freischütz“ ausdrücklich unter dem Titel „Alptraum für Deutschland“. Das Stück ist also nicht zufällig politisch lesbar. Es ist so gebaut.

Von Wangenheim stellt deshalb die Finanzierungsfrage. Kunstfreiheit bedeute nicht, dass öffentlich finanzierte Häuser dauerhaft Millionen Wähler als moralisches Problem, Dämon oder Vorstufe des Faschismus auf die Bühne stellen müssten. Wer das Theater als Ort offener Auseinandersetzung verstehe, müsse mehr leisten als die immergleiche pädagogische Feindbildmaschine.

Volker Lösch ist für solches Politiktheater bekannt. Von Wangenheim verweist auf Löschs Stuttgarter Zeit von 2005 bis 2013 und auf dessen Verständnis von Theater als politischer Intervention. Ob Stuttgart 21, Kapitalismuskritik, Pegida oder AfD: Lösch steht für eine Bühne, die nicht nur deutet, sondern erziehen will. Genau daran entzündet sich die Kritik.

Natürlich darf ein Regisseur Weber aktualisieren. Natürlich darf Theater politisch sein. Aber die eigentliche Frage lautet: Wann wird aus Kunst politisch subventionierte Lagerbildung? Wenn ein öffentliches Haus aus einem Klassiker ein Stück gegen eine konkrete Partei baut, ist das keine neutrale Kulturarbeit mehr. Es ist politische Kommunikation mit Orchestergraben.

Gerade der „Freischütz“ wäre stark genug, Angst, Schuld, Versuchung und gesellschaftlichen Druck ohne tagespolitische Holzhammerdramaturgie zu erzählen. Wer daraus ein „gegen Rechts“-Lehrstück macht, verrät nicht nur dem Publikum seine Absicht. Er zeigt auch, wie wenig Vertrauen Teile des Kulturbetriebs noch in die Kraft des Originals haben.

Der Fall Bonn ist deshalb mehr als ein Kulturstreit. Er zeigt das alte Muster: Der Steuerzahler finanziert eine Bühne, und die Bühne erklärt dem Steuerzahler, wenn er falsch wählt, sei er das Problem. Kultur müsste Debatten öffnen. In Bonn wirkt sie wieder einmal wie ein moralisches Strafgericht mit Subvention.

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