Wegen Zahlungsunfähigkeit hat die Erich Jaeger GmbH am 1. April Insolvenzantrag beim Amtsgericht Friedberg gestellt – wie die FAZ berichtet. Die Muttergesellschaft AdCapital AG informierte noch am selben Tag per Ad-hoc-Mitteilung. Begründung: ein stark durch geopolitische Entwicklungen bedingter Umsatzrückgang. Trotz intensiver Restrukturierungsbemühungen sei es nicht gelungen, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.
Das Amtsgericht Friedberg bestellte Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Plathner erklärte, sein Fokus liege zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit, parallel würden Sanierungsoptionen geprüft. Ziel sei eine Investorenlösung für die Unternehmensgruppe oder Teile davon. Die Insolvenzgeldvorfinanzierung zur Sicherung der Löhne und Gehälter ist bereits eingeleitet.
Erich Jaeger beschäftigt weltweit rund 1.000 Mitarbeiter an elf Standorten, davon 200 in Deutschland. Produktionsstandorte gibt es in Deutschland, Mexiko, Tschechien und China, dazu Vertriebsbüros in den USA, Frankreich, Polen und Italien. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 77 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel, Renault, Škoda, Volkswagen und Volvo – sowie Nutzfahrzeug- und Traktorenhersteller wie AGCO Fendt, Claas, John Deere, MAN oder Tatra. Auch Rheinmetall gehört zur Kundschaft, denn Steckverbinder für Verteidigungsfahrzeuge sind Teil des Portfolios.
Das Unternehmen wurde 1927 in Bad Homburg gegründet und richtete sich in den Wirtschaftswunderjahren auf elektrisches Zubehör für die expandierende Motorrad- und Autoindustrie aus. Nach der Übernahme durch AdCapital im Jahr 1998 folgte eine starke Internationalisierung: Joint Venture in Hongkong mit Produktion in Shenzhen, Tochtergesellschaft in Tschechien, Repräsentanzen in Frankreich, Italien und Polen, weitere Standorte in den USA und Mexiko. Was nach solidem Wachstum aussah, endete im April 2026 vor dem Insolvenzgericht.
Im November 2025 hatte Erich Jaeger noch über eine umfangreiche Reorganisation informiert, die zum 1. Januar 2026 in Kraft trat. Gleichzeitig korrigierte AdCapital die Jahresprognose nach unten und stellte einen Umsatz von nur noch 154 bis 160 Millionen Euro in Aussicht – schon damals unter dem Vorbehalt eines schwierigen geopolitischen Marktumfelds. Der Aktienkurs von AdCapital brach nach dem Insolvenzantrag Anfang April ein. Die Holding hält neben Erich Jaeger noch den Elektronikproduzenten BDT Bavaria Digital Technik aus Pfronten und den Werkzeughersteller Opus Formenbau aus Schönau.
Erich Jaeger ist dabei kein Ausreißer. Seit 2019 sind in der deutschen Automobilindustrie rund 120.000 Stellen weggefallen – zwei Drittel davon in der Zulieferindustrie. Die Branche wird von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck gesetzt: Transformation zur Elektromobilität, Nachfrageeinbruch, geopolitische Lieferkettenrisiken und eine Wirtschaftspolitik, die industrielle Strukturen seit Jahren eher belastet als stützt. Fast hundert Jahre Unternehmensgeschichte, Spezialwissen, internationale Kundenliste – und am Ende ein Antrag beim Amtsgericht. Was jetzt noch zu retten ist, entscheidet sich nicht im Betrieb, sondern in den Büros des Insolvenzverwalters.
Quellen:
1. FAZ – Fast 100 Jahre: Traditionsbetrieb Erich Jaeger aus Friedberg insolvent
2. Brinkmann & Partner – Pressemitteilung
3. hessenschau.de – Autozulieferer Erich Jaeger ist insolvent






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