Das IW Köln hat gesprochen, und Deutschland darf aufatmen: Wer monatlich 1.496 Euro netto nach Hause trägt, gehört offiziell zur Mittelschicht. Nicht arm, nicht reich – einfach mittendrin. Nur dass 1.496 Euro in München, Hamburg oder Frankfurt ungefähr für Miete plus Pasta reichen, wie Business Punk berichtet.
Das Wirtschaftsinstitut IW Köln teilt die Bevölkerung in vier Einkommensgruppen ein. Die „einkommensschwache Mitte“ beginnt bei 1.121 Euro netto, die eigentliche Mittelschicht bei 1.496 Euro und reicht bis 2.804 Euro. Darüber folgt die „einkommensstarke Mitte“ bis 4.673 Euro – und erst wer mehr verdient, gilt als „relativ reich“. Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Deutschland liegt laut der Erhebung bei rund 2.284 Euro monatlich.
Was die Statistik nicht abbildet: In welcher Realität diese Zahlen ankommen. Wer in Berlin oder Frankfurt 1.500 Euro netto verdient, zahlt davon im Zweifelsfall 900 Euro Warmmiete, den Rest in Lebensmittel, Nahverkehr und Krankenkasse – und nennt sich dann Mittelschicht. Das klingt weniger nach sozialem Polster als nach einer Kategorisierung, die primär dem Gefühl dient, kein statistisches Armutsproblem zu sein.
Die eigentliche Botschaft hinter den Zahlen: Deutschland hat eine Mittelschicht, die so breit definiert ist, dass kaum jemand herausfällt – und so schlecht bezahlt, dass ein relevanter Teil davon trotzdem nicht über die Runden kommt. Wer mit 1.496 Euro netto zur Mittelschicht zählt, aber in einer Großstadt wohnt, erfährt täglich, was statistische Einordnung und gelebter Alltag miteinander zu tun haben: wenig.
Politisch ist das Konstrukt nützlich. Die „Mittelschicht als Leistungsträger“ lässt sich prima beschwören, wenn diese Gruppe so groß definiert ist, dass sie das Wahlvolk umfasst. Dass diese Mittelschicht seit Jahren real an Kaufkraft verliert, während Mieten, Energie und Lebensmittelpreise steigen, passt nicht ganz ins Bild – wird aber zuverlässig aus der politischen Kommunikation herausdefiniert.
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