Therianer beim Tierarzt: Ärztekammer verfasst Leitlinien für Menschen, die Tiere sein wollen

Helles Symbolbild: Person mit Tierohren in einer Tierarztpraxis
Symbolbild: Wenn Netzphänomene in reale Institutionen drängen.

In Portugal hat die Tierärztekammer bereits interne Leitlinien für einen Fall verfasst, der früher als schlechter Scherz durchgegangen wäre: Menschen, die sich als Tiere verstehen, könnten in einer Tierarztpraxis behandelt werden wollen. Wie NiT und Notícias ao Minuto berichten, reagierte die Ordem dos Médicos Veterinários auf die wachsende Sichtbarkeit sogenannter Therians und auf eine Reportage von CNN Portugal, nach der Jugendliche in Tiermasken angeblich tierärztliche Behandlung verlangt haben sollen.

Der wichtige Punkt: Die Kammer selbst erklärte, dass kein bei ihr registrierter Tierarzt einen solchen Fall gemeldet habe. Trotzdem hielt man es offenbar für nötig, die Berufsgruppe vorsorglich zu instruieren. Genau darin liegt die Absurdität. Nicht der Einzelfall ist der Skandal, sondern die institutionelle Vorwegnahme des Irrsinns.

Therians, auch Teriantropen genannt, verstehen sich laut der portugiesischen Darstellung spirituell oder psychologisch als Tiere. In sozialen Netzwerken zeigen sich solche Gruppen mit Masken, Schwänzen, Tierohren, auf allen vieren laufend, bellend oder miauend. Das Internet macht daraus eine Szene, TikTok macht daraus Sichtbarkeit, und am Ende sitzen echte Institutionen da und schreiben Anleitungen, wie man mit Menschen umgeht, die beim Tierarzt nicht als Mensch behandelt werden wollen.

Der Mensch bleibt Mensch

Immerhin hat die portugiesische Tierärztekammer in der Sache klare Grenzen gezogen. Die Rechtslage erkenne zwar bestimmte Dimensionen persönlicher Identität an, aber keinen juristischen Status einer „Tieridentität“. Eine Person, die sich als Tier identifiziert, bleibe vor dem Recht ein Mensch. Tierärzte sollen deshalb Diagnose, Verschreibung und Behandlung verweigern und ruhig erklären, dass sie für Tiere zuständig sind, nicht für Menschen.

Das klingt selbstverständlich. Aber gerade Selbstverständlichkeiten müssen im Westen inzwischen offenbar immer öfter schriftlich fixiert werden. Ein Tierarzt behandelt Tiere. Ein Mensch ist kein Hund, keine Katze und kein Fuchs, nur weil er sich im Netz mit einer Maske, einem Schweif oder einem Fantasienamen inszeniert. Dass dafür eine Kammer eine interne Handreichung ausgibt, zeigt, wie weit die Verunsicherung bereits reicht.

Natürlich muss man unterscheiden: Eine symbolische Selbstinszenierung ist nicht automatisch ein medizinisches Problem. Auch die in Portugal zitierte Psychologin Andreia Filipe Vieira betonte, dass eine solche Identifikation erst dann klinisch relevant werde, wenn sie erhebliches Leiden, extreme Isolation oder Probleme im Alltag auslöse. Doch Mitgefühl mit Einzelnen bedeutet nicht, dass Gesellschaften jede Netzmode in bürokratische Wirklichkeit übersetzen müssen.

Das Muster kennt man längst. Was gestern noch kindliches Rollenspiel oder schräge Subkultur war, tritt heute als Anspruch auf Anerkennung auf. Hobby Horsing ist dafür das harmlosere Beispiel: In Deutschland boomt das Steckenpferdreiten inzwischen so stark, dass laut Zeit Meisterschaften ausgetragen werden und der Verband den Sport als Trend beschreibt. Wer auf einem Steckenpferd Parcours springt, kann das als Bewegung, Spiel oder Sport tun. Man muss darüber nicht empört sein. Aber es zeigt, wie schnell aus Internetbildern, Jugendkultur und performativer Selbstdarstellung neue Normalität gebaut wird.

Bei den Therians ist die Grenze deutlicher. Es geht nicht mehr um ein Steckenpferd in der Sporthalle, sondern um die Frage, ob Institutionen auf Identitätsbehauptungen reagieren müssen, die offenkundig an der Realität vorbeigehen. Der Tierarzt ist kein therapeutisches Bühnenbild. Er ist ein medizinischer Beruf für Tiere. Wer Menschen wie Tiere behandeln will, überschreitet nicht nur eine gesellschaftliche, sondern eine berufsethische Grenze.

Der Westen hat sich angewöhnt, selbst die bizarrsten Trends zunächst mit pädagogischer Ernsthaftigkeit zu umkreisen. Man will niemanden verletzen, niemanden ausgrenzen, niemandem widersprechen. Am Ende entstehen Leitlinien für Fälle, die es offiziell noch gar nicht gibt. Das ist kein Zeichen von Toleranz, sondern von kultureller Nervosität.

Die portugiesische Tierärztekammer hat am Ende das Richtige festgehalten: Menschen bleiben Menschen. Dass man diesen Satz im Jahr 2026 überhaupt noch in einem beruflichen Leitfaden absichern muss, sagt mehr über den Zustand westlicher Gesellschaften als über ein paar Jugendliche mit Tierohren.

Quellen: NiT, Notícias ao Minuto, Zeit.

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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