Das Schweizer Fernsehen verkündete diese Woche in der Tagesschau frohe Botschaft: Die Schweiz werde sicherer. Eine Aussage, die sich beim Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik in Luft auflöst – wie SVP-Nationalrat Pascal Schmid in einem Editorial vom 26. März 2026 darlegt. Seit 2019 sind die Straftaten in der Schweiz von 432’000 auf rund 555’000 gestiegen. Minus 1,5 Prozent im letzten Jahr, weil ein paar Fahrraddiebstähle weniger registriert wurden – während Tötungsdelikte um 10 Prozent zulegten und sexuelle Übergriffe stark anstiegen.
Der deutsche Kriminologe Dirk Baier, gern gesehener Gast in Schweizer Redaktionsstuben, findet das alles nicht beunruhigend. Ausländer würden eben häufiger angezeigt, hätten schlechtere Bildungschancen, verdienten weniger – das altbekannte Erklärungsrepertoire. Was Baier dabei weglässt: Asylmigranten und Personen ohne regulären Aufenthaltsstatus machen laut Schmids Aufstellung 26 Prozent aller Straftaten aus, obwohl sie einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung stellen. Bei Einbrüchen liegt ihr Anteil bei 62 Prozent, bei Taschendiebstählen gar bei 90 Prozent. Das ist kein statistisches Rauschen, das ist ein strukturelles Problem – und es wird seit Jahren systematisch kleingeschrieben.
Schmid nimmt in seinem Text auch Bundesrat Beat Jans (SP) ins Visier, der als Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements de facto Oberverantwortlicher für die innere Sicherheit ist. Jans‘ Asylpolitik, so die Kritik, produziere Opfer, die es bei konsequenten Grenzkontrollen schlicht nicht gäbe. Die SVP-Antwort darauf ist die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», über die am 14. Juni 2026 abgestimmt wird.
Ob man die politischen Schlussfolgerungen der SVP teilt oder nicht – die Grundfrage, warum SRF eine Kriminalstatistik mit Plus 30 Prozent über sechs Jahre als Sicherheitsgewinn verkauft, bleibt berechtigt. Journalismus, der eine Jahreszahl herauspickt, die gerade passt, und den Kontext darunter begräbt, ist kein Journalismus. Es ist Stimmungsmanagement.





