3 Minuten und 44 Sekunden. So lange dauert es künftig, eine Elektroauto-Batterie von 10 auf 80 Prozent zu laden – schneller als die meisten Menschen an der Tankstelle die Zapfpistole wieder einhängen. Der chinesische Batterieriese CATL hat auf einem Tech Day sein komplett erneuertes Batterie-Lineup präsentiert und damit die Messlatte für die gesamte Branche neu gesetzt, wie electrive.net berichtet.
Im Mittelpunkt steht die dritte Generation der Shenxing-Schnellladebatterie, die auf bewährter LFP-Chemie basiert, aber in puncto Ladegeschwindigkeit alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Batterie erreicht eine Dauerladegeschwindigkeit von 10C, im Spitzenwert sogar 15C. In einer Minute steigt der Ladezustand von 10 auf 35 Prozent, in knapp vier Minuten auf 80 Prozent, und in gut sechs Minuten ist der Akku praktisch voll. Selbst bei minus 30 Grad Celsius soll das Laden von 20 auf 98 Prozent in rund neun Minuten möglich sein – ein Wert, der bislang als technisch kaum erreichbar galt.
Was die Batterie besonders interessant macht: CATL behauptet, das klassische Dilemma zwischen Schnellladen und Langlebigkeit gelöst zu haben. Nach 1.000 Vollzyklen – das entspricht grob 200.000 gefahrenen Kilometern – soll die Restkapazität noch über 90 Prozent liegen. Das wäre, wenn es sich in der Praxis bestätigt, eine echte Zäsur. Denn bislang galten extreme Laderaten als Feind des Akkus.
Doch CATL lieferte auf dem Tech Day gleich ein ganzes Arsenal neuer Technologien. Die dritte Generation der Qilin-Batterie setzt auf Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, erreicht eine Energiedichte von 280 Wh/kg und soll Reichweiten von 1.000 Kilometern ermöglichen – bei gleichzeitiger 10C-Schnellladung und einer Spitzenleistung von 3 Megawatt. Das Gesamtgewicht des Batteriepacks liegt bei 625 Kilogramm, was im Vergleich zu vergleichbaren LFP-Systemen einer Gewichtsersparnis von 255 Kilogramm entspricht und 112 Liter Bauraum freisetzt. Für den Innenraum bedeutet das: 18 Millimeter mehr Kopffreiheit.
Noch weiter geht die neue Qilin Condensed Battery: Sie basiert ebenfalls auf NMC-Chemie, kombiniert aber eine nickelreiche Kathode mit einer Silizium-Kohlenstoff-Anode und kommt auf eine Energiedichte von 350 Wh/kg. Das Gehäuse besteht aus einer Titanlegierung – leichter und dünner als bisherige Konstruktionen.
Für den boomenden Plug-in-Hybrid- und Range-Extender-Markt hat CATL die zweite Generation der Freevoy Super Hybrid Battery im Gepäck. Sie soll Hybriden eine rein elektrische Reichweite von 600 Kilometern ermöglichen und ebenfalls 10C-Schnellladen beherrschen. Die erste Generation hatte seinerzeit 400 Kilometer versprochen – die Verdoppelung ist bemerkenswert.
Abgerundet wird das Lineup durch die Naxtra-Batterie, die erstmals die Natrium-Ionen-Technologie in die Serienreife treiben soll. Lithiumfrei, günstiger in der Rohstoffbeschaffung und laut CATL nun frei von den bisherigen Produktionsproblemen wie Feuchtigkeitskontrolle, Gasbildung und Materialhaftung. Eine Massenproduktion im GWh-Maßstab ist für Ende 2026 vorgesehen.
Zur Infrastruktur: Bis Ende 2026 plant CATL 4.000 kombinierte Lade- und Batteriewechselstationen in fast 190 chinesischen Städten sowie entlang eines landesweiten Autobahnnetzes. Bis 2028 sollen es mehr als 100.000 gemeinsam genutzte Energienachfüllanlagen sein – ein Netz, das die gesamte Diskussion über Ladeinfrastruktur neu definieren würde.
Für europäische Autobauer, die mit hausgemachten Batterieprojekten scheitern – Northvolt lässt grüßen – dürfte das ein unbehaglicher Moment sein. CATL beliefert nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der europäischen Automobilhersteller und produziert bereits in Arnstadt und Ungarn. Der Marktanteil des Unternehmens am globalen Batteriemarkt lag 2025 bei 39,2 Prozent. Während Europa debattiert, liefert China einfach.
Quellen: electrive.net, ecomento.de, battery-news.de






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