Fender schlägt zu: Abmahn-Keule gegen Strat-Kopien erschüttert Gitarrenwelt

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E-Gitarre neben Richterhammer und Unterlagen als Symbolbild für Abmahnungen gegen Gitarrenkopien
E-Gitarre und Justiz / Symbolbild

Wie Guitar World berichtet, verschärft Fender offenbar den juristischen Kampf gegen sogenannte S-Style-Gitarren. Auslöser ist ein Fall um den US-Boutique-Hersteller LsL Instruments, der nach Berichten aus der Gitarrenszene ein Schreiben der Fender-Anwälte erhalten haben soll. Darin soll verlangt werden, Stratocaster-ähnliche Modelle nicht mehr herzustellen, zu verkaufen oder in Verkehr zu bringen.

In der Gitarren-Community sorgt das für erheblichen Ärger. Auf Reddit wird bereits diskutiert, ob Fender nun praktisch jede Strat-Kopie ins Visier nimmt. Ganz so einfach ist es zwar nicht. Doch der Vorgang trifft einen Nerv, weil die Stratocaster seit 1954 längst mehr ist als nur ein Produkt aus dem Hause Fender. Sie ist eine Grundform der E-Gitarre geworden.

Den juristischen Rückenwind liefert ein Urteil aus Deutschland. Die Kanzlei Bardehle Pagenberg verweist auf eine Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf vom 22. Dezember 2025. Demnach bestätigte das Gericht urheberrechtlichen Schutz für den Korpus der Fender Stratocaster. Konkret ging es um einen chinesischen Anbieter, der nahezu identische Nachbauten nach Deutschland verkaufte.

Brisant ist der Unterschied zum US-Markt. In den Vereinigten Staaten scheiterte Fender bereits 2009 mit dem Versuch, die Korpusformen von Stratocaster, Telecaster und Precision Bass als Marke schützen zu lassen. Das Trademark-Board kam damals zu dem Ergebnis, dass diese Formen durch jahrzehntelange Nutzung vieler Hersteller nicht mehr eindeutig auf Fender als Herkunftshinweis verweisen. In Europa könnte Fender nun über das Urheberrecht deutlich mehr Druck aufbauen.

Damit geraten vor allem kleinere Gitarrenbauer in eine schwierige Lage. Große Hersteller können Modelle umzeichnen, Vertriebswege trennen oder Anwälte bezahlen. Kleine Werkstätten leben dagegen oft von genau diesen klassischen Formen, kombiniert mit eigenen Pickups, Hälsen, Lackierungen und handwerklichen Details. Für viele Musiker ist eine S-Style-Gitarre keine billige Fälschung, sondern eine eigene Spielart innerhalb einer gewachsenen Instrumentenkultur.

Fender kann nachvollziehbar argumentieren, dass man eine Ikone schützen will. Niemand muss dulden, dass Logos, Kopfplatten, Modellnamen oder nahezu identische Billigkopien den Markt fluten. Doch wenn ein Unternehmen nach sieben Jahrzehnten eine Form zurückerobern will, die längst von unzähligen Herstellern, Bühnen und Werkstätten geprägt wurde, beginnt der Streit um mehr als Designschutz. Dann geht es um die Frage, wem eine kulturelle Standardsprache gehört.

Wirtschaftlich könnte der Schritt trotzdem clever sein. Der Gitarrenmarkt ist eng, Margen stehen unter Druck, Boutique-Hersteller profitieren vom Mythos klassischer Bauformen. Wer die EU als Absatzmarkt rechtlich riskanter macht, stärkt automatisch die eigene Position. Für Händler und kleine Manufakturen heißt das: Wer S-Style-Instrumente nach Deutschland oder in die EU verkauft, muss künftig genauer prüfen, wie nah Form, Ausstattung und Bewerbung am Original liegen.

Für Gitarristen klingt die Sache weniger nach sauberem Markenschutz als nach spätem Machtgriff. Die Stratocaster hat Musikgeschichte geschrieben, weil Musiker sie gespielt, verändert, kopiert, repariert und weitergedacht haben. Fender hat das Original geschaffen. Die Welt hat daraus eine eigene Sprache gemacht. Genau diese Sprache steht jetzt vor Gericht.

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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