Ab dem 2. Januar 2027 soll die sogenannte EUDI-Wallet für alle EU-Bürger verpflichtend angeboten werden – ein digitales Portemonnaie auf dem Smartphone, das Personalausweis, Führerschein, Zeugnisse, Versicherungsnachweise und Verträge bündelt. Technisch funktioniert das Ganze über digital signierte Nachweise, sogenannte „Verifiable Credentials“, die sich gezielt weitergeben lassen – etwa um das Alter zu bestätigen, ohne das genaue Geburtsdatum preiszugeben. Soweit die Theorie. Wie heise online berichtet, wissen 52 Prozent der Deutschen schlicht nicht, dass es dieses Projekt überhaupt gibt.
Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor, für die zwischen Februar und März 2026 gut 1.000 Personen ab 16 Jahren telefonisch befragt wurden. Weitere 18 Prozent haben zumindest schon mal den Begriff gehört – können aber nicht erklären, was dahinter steckt. Lediglich 5 Prozent fühlen sich in der Lage, die EUDI-Wallet wirklich zu erklären.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst reagiert auf diese Zahlen mit einem Appell für eine „breite Aufklärungskampagne“ – weil die EUDI-Wallet seiner Ansicht nach eine der bedeutendsten Innovationen dieser Jahre sei. Was er dabei elegant übergeht: Es ist bezeichnend, wenn ein Großprojekt, das das gesamte Identitätswesen eines Kontinents umstellen soll, rund anderthalb Jahre vor dem Starttermin der überwältigenden Mehrheit der Betroffenen vollkommen unbekannt ist.
Mehr als 100 Unternehmen haben sich bereits in einem Memorandum of Understanding des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung sowie des Bitkom zusammengefunden, um die Entwicklung der Wallet voranzutreiben. Die politische Klasse und die Digitalwirtschaft sind also längst im Gleichschritt – nur die Bevölkerung, um die es eigentlich geht, wurde offenbar als letztes informiert.
Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist Methode. Wer erst dann über ein Projekt aufklärt, wenn die Weichen längst gestellt sind und Dutzende Konzerne bereits an Bord sind, der will keine Debatte. Er will Vollzug melden. Die EUDI-Wallet mag technisch durchdacht sein – die Frage, ob die Bürger ein solches System überhaupt wollen, wird dabei schlicht nicht gestellt. Datenschutzrechtliche Bedenken? Fragen nach zentraler Identitätsspeicherung, nach staatlichem Zugriff, nach Missbrauchsszenarien? Fehlanzeige in der öffentlichen Diskussion.
Stattdessen: Kampagne. Aufklärung von oben. Man erklärt den Menschen, was gut für sie ist – und wundert sich dann, wenn das Vertrauen in digitale Staatsinfrastruktur gegen null tendiert.
Quellen:
- heise online – Digitaler Ausweis kommt 2027 – Mehrheit der Deutschen ahnungslos
- Bitkom – Pressemitteilung EUDI-Wallet






Kommentare
2 Kommentare
Verpflichtend angeboten… 👹
Wir werden es eben nicht benutzen, da keine Daten einstellen und gut ist.
Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir obdachlos werden und verhungern.
Besser aufrecht sterben als in Sklaverei leben!
Bei einem echten Generalstreik (kein Autokorso mit dem Namen) mit Blockade aller wichtigen Autobahnen wäre des Regime binnen 3 Tagen Geschichte.