Alice Weidel hat am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt Formulierungen im Wahlprogramm des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt kritisiert, die sich gegen sogenannte nicht traditionelle Familien richten. Wie n-tv berichtet, sagte die AfD-Vorsitzende in einem RTL/ntv-Interview zu den entsprechenden Passagen: „Da gehe ich nicht mit.“
Hintergrund ist das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt. Darin wird laut n-tv die Verbindung von Mann und Frau als Grundlage kommender Generationen beschrieben. Außerdem heißt es dort, eine intakte Familie aus Mutter, Vater und Kindern sei die beste Voraussetzung für eine gute Kindesentwicklung. An anderer Stelle werden dem Bericht zufolge Formulierungen wie „sexuelle Abweichungen“, „nicht reproduktive Lebensweisen“, „nicht normale Geschlechtsidentitäten“ und „abseitige sexuelle Vorlieben“ verwendet.
Weidel stellte sich im Interview ausdrücklich anders auf. Sie begründete ihre Kritik damit, dass sie gesellschaftlich liberaler eingestellt sei und dies auch selbst lebe. Über die Zweiteilung zwischen traditionellen und nicht traditionellen Lebensmodellen sagte sie nach n-tv, man solle diese eigentlich hinter sich lassen.
Zur Stellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen sagte Weidel, diese seien gleichwertig zu behandeln. Zugleich machte sie deutlich, dass sie die traditionelle Familie als gesellschaftliches Zielbild nicht ausschließt. Nach ihrer Darstellung ist es kein Widerspruch, politisch für die traditionelle Familie einzutreten und andere Lebensmodelle zugleich rechtlich gleichwertig zu behandeln.
Konkret nannte Weidel laut n-tv die steuerliche und erbrechtliche Gleichbehandlung. An dieser Gleichwertigkeit solle sich in der heutigen Zeit nichts mehr ändern; man wolle daran auch nichts ändern. Damit zog sie eine klare Linie zwischen der Betonung der traditionellen Familie und der Abwertung homosexueller Partnerschaften.
Weidel äußerte sich außerdem zu ihrer eigenen Lebenssituation. Sie lebt mit der Schweizer Filmemacherin Sarah Bossard in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Gemeinsam ziehen sie in der Schweiz zwei Kinder auf. Auf die Frage, ob Äußerungen Björn Höckes als Kritik an ihrer aus Sri Lanka stammenden Lebenspartnerin zu verstehen seien, sagte Weidel nach n-tv, es gehe nicht um Hautfarben. Ihre Frau sei Schweizerin und ein Adoptionskind und verstehe sich selbst nicht als Person mit Migrationshintergrund.
In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt dort in Umfragen bei etwa 40 Prozent. Damit wird die Frage, welche gesellschaftspolitische Linie die Partei in einem möglichen Regierungsfall tatsächlich verfolgt, nicht nur theoretisch bleiben.
Stellt Weidels Haltung zur Gleichwertigkeit homosexueller Partnerschaften innerhalb der AfD nicht eine mögliche Sollbruchstelle dar?




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