Donald Trump lässt keinen Zweifel mehr daran, was er von der NATO hält: nichts. Beim Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch im Weißen Haus steht der mögliche Austritt der USA aus dem Militärbündnis offiziell auf der Tagesordnung – wie das Weiße Haus selbst bestätigte. Kein diplomatischer Nebensatz mehr, kein vages Drohen für die Galerie. Die Frage ist gestellt, und sie ist ernst gemeint.
Rutte reiste mit einer unmöglichen Mission nach Washington: den launischen Hausherrn davon überzeugen, dass das Bündnis noch irgendeinen Wert hat. Der Niederländer gilt als Vermittler zwischen Trump und dem Rest der Allianz – eine Rolle, für die er von europäischen Beobachtern zunehmend als zu unterwürfig und zu entgegenkommend gegenüber Trumps Forderungen kritisiert wird. Beim NATO-Gipfel in Den Haag 2025 hatte er Trump gar als „Daddy“ bezeichnet – was den Befund eigentlich auf den Punkt bringt.
Trump hatte die NATO zuletzt als „zahnlosen Tiger“ bezeichnet und erklärt, er sei „sehr enttäuscht“. Der Auslöser: Europäische NATO-Verbündete hatten Trumps Forderung ignoriert, bei der Sicherung der Straße von Hormuz zu helfen, die Iran im Laufe des Krieges für die Handelsschifffahrt faktisch gesperrt hatte. Spanien und Frankreich verweigerten sogar die Nutzung ihres Luftraums und gemeinsamer Militäranlagen für US-Operationen.
Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth hatten die NATO in den Tagen zuvor öffentlich scharf kritisiert. Rubio ist dabei eine besondere Pointe des Schicksals: Er war es, der als Senator das Gesetz mitverabschiedet hatte, das einem Präsidenten einen NATO-Austritt ohne Kongresszustimmung verbietet. Nun sitzt er im Kabinett eines Mannes, der genau das in Betracht zieht.
Ivo Daalder, ehemaliger US-Botschafter bei der NATO, nennt die aktuelle Lage laut Stars and Stripes „mit Abstand die schlimmste Krise, mit der die NATO je konfrontiert war“ und bezweifelt, dass europäische Staaten den USA nach alledem noch vertrauen können, im Ernstfall beizustehen.
Was bleibt, ist das vertraute Schauspiel: Rutte lächelt, Trump droht, Europa hofft. Nur dass diesmal die Drohung nicht aus einer Pressekonferenz stammt, sondern direkt aus dem Terminkalender des Weißen Hauses.





Schreibe einen Kommentar