Was im Tiroler Landtag als „Teilhabe“ verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kalte Bürokratie mit schwerwiegenden Folgen. In der Februarsitzung 2026 rechnet FPÖ-Behindertensprecher Alexander Gamper mit dem neuen Tiroler Teilhabegesetz ab – und spricht aus, was viele Betroffene längst befürchten.

Die Regierung verspricht vollmundig Inklusion und Unterstützung für Kinder mit Behinderungen. Gleichzeitig schafft sie eine neue behördliche Instanz, die darüber entscheidet, ob ein Kind „förderwürdig“ ist oder nicht. Damit werden Kinder, Eltern und Lehrer faktisch einem Sachverständigen ausgeliefert, der per Aktenlage entscheidet, wer Hilfe bekommt – und wer nicht.

Gamper kritisiert den offensichtlichen Widerspruch: Während sich die Landesregierung auf die UN-Behindertenrechtskonvention beruft, führt sie ein System ein, das Teilhabe nicht erleichtert, sondern verzögert, verkompliziert und im Zweifel verhindert. Besonders brisant: Die Realität in den Schulen spielt in der Vorlage kaum eine Rolle. Gamper verweist auf seine eigenen Einblicke in den Schulalltag – überforderte Lehrer, steigender Betreuungsbedarf, fehlende Unterstützung.

Noch schwerer wiegt die massive Ablehnung aus der Praxis. Gleich 13 Stellungnahmen – darunter von der Arbeiterkammer, Behindertenorganisationen, der Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol sowie dem Österreichischen Behindertenrat – lehnen das Gesetz in seiner aktuellen Form ab oder fordern eine grundlegende Überarbeitung. Ignoriert wurden sie dennoch. Statt auf Experten und Betroffene zu hören, zieht die Regierung ihr Projekt durch.

Besonders pikant: Selbst landeseigene Einrichtungen und Interessenvertretungen fanden offenbar kein Gehör. Für Gamper ist klar, dass es hier nicht um Qualität, sondern um Tempo und Machterhalt geht. Ob das Gesetz heute oder beim nächsten Mal beschlossen wird, sei zweitrangig – entscheidend sei, dass es so nicht beschlossen werden dürfe.

Am Ende zitiert Gamper eine Stellungnahme von Integration Tirol, die den Kern des Problems auf den Punkt bringt: Es geht um Kinder, die jeden Tag Unterstützung brauchen, um dazuzugehören, zu lernen und ihren Platz zu finden. Eine gute Schulassistenz kann darüber entscheiden, ob ein Kind scheitert oder eine Chance bekommt.

Die FPÖ zieht die Konsequenz. Gamper erklärt unmissverständlich, dass seine Fraktion diesem Gesetz nicht zustimmen wird. Ein Gesetz, das angeblich Teilhabe schafft, in Wahrheit aber Verantwortung auslagert, Kontrolle ausbaut und Kinder zu Verwaltungsfällen macht, habe im Landtag nichts verloren.

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