Von 17 auf unter 5 Prozent: Tesla hat in seiner Gigafabrik im brandenburgischen Grünheide den Krankenstand auf ein Drittel des einstigen Höchststands gedrückt – und macht dabei keinen Hehl daraus, mit welchen Methoden das gelang. Wie u.a. das Handelsblatt berichtet, stellt der Konzern krankgeschriebenen Mitarbeitern in mehreren Fällen die Lohnfortzahlung ein – und beruft sich dabei auf geltendes deutsches Arbeitsrecht.
Werksleiter André Thierig präsentierte die Zahlen auf der Hannover Messe sichtlich stolz: Aktuell liege die Krankenquote bei unter fünf Prozent. „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch drauf schauen, hätten sie das geschafft“, so Thierig. Im August 2024 war der Wert noch bei 17 Prozent – fast jeder fünfte Mitarbeiter fehlte. Interne Analysen hatten damals ergeben, dass sich besonders häufig freitags und in Spätschichten Beschäftigte krankmeldeten. Thierig zog daraus den Schluss: kein Indikator für schlechte Arbeitsbedingungen, sondern für schlechte Arbeitsmoral.
Der Weg nach unten war wenig elegant. Tesla schickte Werksleitung und Personalchef Erik Demmler unangekündigt zu kranken Mitarbeitern nach Hause – viele waren dort nicht anzutreffen. Wer als nicht legitim krank eingestuft wurde, erhielt Schreiben, in denen die Krankmeldung angezweifelt und die Lohnfortzahlung gestoppt wurde. Manche Mitarbeiter wurden sogar aufgefordert, ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden und die Diagnose offenzulegen. Bereits gezahlte Beträge sollen teilweise zurückgefordert worden sein. Die IG Metall sprach von einem „systematischen Vorgehen“ und bezeichnete die Praxis als völlig unzulässige Einschüchterung.
Parallel dazu rollte Tesla den roten Teppich aus: Ein Mitarbeiter-Aktienprogramm, ein werkseigenes Fitnessstudio, ein Barbershop und Tesla-Mietwagen für 25 Euro pro Tag sollen das Gemeinschaftsgefühl stärken. Thierig beschreibt einen „Kulturwandel“ – Mitarbeiter kämen inzwischen schon in Arbeitskleidung zur Schicht. Gleichzeitig kündigte er an, bis Ende Juni 2026 rund 1.000 neue Stellen zu besetzen, nachdem die Belegschaft 2024 deutlich geschrumpft war.
Was bleibt, ist das Bild eines Unternehmens, das Zuckerbrot und Peitsche konsequent kombiniert: Wer mitmacht, bekommt Fitnessstudio und Aktienpakete. Wer zu oft fehlt, riskiert, dass der nächste Arztbesuch einer internen Revision nicht standhält. Dass diese Methoden in Deutschland funktionieren – und der Betriebsrat offenbar machtlos bleibt –, sagt einiges darüber aus, wie weit der Einfluss einer entschlossenen Unternehmensführung reicht, wenn die Gewerkschaft zwar laut ist, aber nichts verhindern kann.
Quellen: Handelsblatt | Business Insider | Junge Freiheit
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