Auf der Erlanger Bergkirchweih sollen künftig bestimmte Partysongs nicht mehr laufen. Wie t-online berichtet, bittet die Stadt Wirte, Bands und DJs darum, zwölf namentlich genannte Lieder bei dem Volksfest nicht mehr zu spielen. Begründet wird der Schritt mit angeblich sexistischen oder frauenfeindlichen Inhalten.
Betroffen sind demnach unter anderem Songs von Mickie Krause, Peter Wackel und Mirja Boes. Genannt werden etwa „10 nackte Friseusen“, „Geh mal Bier holen“ und „Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona“. Selbst der Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang soll auf der Liste stehen.
Die Gleichstellungsstelle der Stadt will damit nach eigener Darstellung eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern ermöglichen. Doch genau hier beginnt das Problem: Aus einer Bitte wird auf einem traditionsreichen Volksfest schnell eine politische Erwartung. Wer Musiklisten moralisch vorsortiert, verschiebt die Grenze zwischen Hausordnung, Verwaltungsmacht und Kulturkontrolle.
Die Erlanger Bergkirchweih ist kein Seminarraum, sondern ein Volksfest mit Bierbänken, Bühnen und Partystimmung. Natürlich muss niemand jeden Schlager mögen. Aber wenn Behörden anfangen, Kneipenwirten und Musikern vorzuschreiben, welche Lieder noch zur Stimmung passen und welche nicht, wird aus Feierkultur ein betreuter Raum.
Deutlich reagierte auch Jürgen Thürnau, Manager der Spider Murphy Gang. Er nannte die Debatte sinngemäß Unsinn und verwies darauf, dass die Band selbst bei Auftritten in der DDR keine Setliste habe vorlegen müssen. Dieser Vergleich sitzt, weil er den Kern trifft: Kultur lebt von Reibung, Übertreibung und Geschmacklosigkeit. Wer alles glätten will, bekommt am Ende keine bessere Kultur, sondern eine sterile Verwaltungsversion davon.
Gerade Partysongs funktionieren oft über Albernheit, Provokation und Überzeichnung. Das ist nicht immer elegant, aber auch nicht automatisch ein Fall für die städtische Moralaufsicht. Wer heute Ballermann-Hits aussortiert, sortiert morgen Karnevalslieder, Kabarettnummern oder Rockklassiker aus. Der Maßstab ist dann nicht mehr, ob Menschen feiern wollen, sondern ob ein Amt noch Wohlfühlfreigabe erteilt.
Die Debatte um Erlangen zeigt, wie weit der Kulturkampf inzwischen in den Alltag vorgedrungen ist. Es geht nicht mehr nur um Universitäten, Talkshows oder Parteitage. Jetzt steht sogar die Playlist im Festzelt unter Beobachtung.





