878 Milliarden Franken: So viel kostet der Schweizer Staat — und er wird teurer

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Wer in der Schweiz Steuern zahlt, darf sich ein ruhiges Leben vorstellen: Das Geld geht hin, der Staat wächst, und niemand fragt so genau nach. Dass Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen zusammen eine Maschine betreiben, die sich Jahr für Jahr tiefer in die Portemonnaies der Bürger frisst, ist kein Geheimnis — aber die Dimension, die SwissVox in einer aktuellen Analyse aufführt, verdient mehr als eine müde Schulterzuckung.

878 Milliarden Franken — so lautet die Zahl, wenn man die Staatsausgaben aller Ebenen über die relevanten Jahre zusammenzählt. Zum Vergleich: Allein 2025 lagen die Gesamtausgaben des Bundes bei 87,6 Milliarden Franken, 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr — und die ordentlichen Ausgaben stiegen dabei mehr als doppelt so stark wie das nominale Bruttoinlandsprodukt. Das Muster ist bekannt, die Konsequenzen selten diskutiert.

Die Dynamik ist simpel und unerbittlich: 2025 wurden 84 Milliarden ausgegeben, im Folgejahr sollen es fast 91 Milliarden sein, und Ende des Jahrzehnts strebt das Budget auf die 100-Milliarden-Marke zu — ein Wachstum von rund 20 Prozent in nur fünf Jahren. Die Schuldenbremse, einst mit 85 Prozent Zustimmung vom Volk als Verfassungsauftrag verankert, wird dabei zunehmend zur Farce: Der Bund konnte das Budget 2025 nur dank temporärer Mehreinnahmen aus dem Kanton Genf ausgeglichen präsentieren — ohne diesen Sondereffekt wäre das strukturelle Ungleichgewicht längst sichtbar.

Die Ausgabentreiber sind gut bekannt und politisch weitgehend sakrosankt. Das grösste Aufgabengebiet bleibt die soziale Wohlfahrt, gefolgt von Finanzen und Steuern sowie dem Verkehr — dazu kommen ausserordentliche Ausgaben von 1,5 Milliarden, darunter 700 Millionen für Ukraine-Schutzsuchende und 850 Millionen als einmaliger Kapitalzuschuss an die SBB. Jede dieser Positionen hat ihre Lobby, ihren Schutzwall aus Verbänden, Gewerkschaften und wohlmeinenden Parlamentariern.

Die schweizerische Fiskalquote ist seit 1965 um 12 Prozentpunkte gestiegen, die Staatsquote sogar um gut 15 Prozentpunkte. Was früher als vorübergehende Krisenreaktion galt, ist längst zur Grundstruktur geworden: Der Staat wächst in guten Zeiten mit und in schlechten Zeiten erst recht. Finanzministerin Karin Keller-Sutter brachte es im Ständerat auf den Punkt: Viele Lobbygruppen hätten beim Entlastungspaket ihre Finger im Spiel gehabt — nur eine Gruppe sei nicht gehört worden: die Steuerzahler.

Das ist die eigentliche Pointe. Der Steuerzahler finanziert eine Verwaltung, die sich selbst optimiert, Entlastungspakete beschliesst, die ihren Namen nicht verdienen, und Strukturdefizite produziert, die kommende Generationen erben. In den Finanzplanjahren 2027 bis 2029 drohen ohne Gegenmassnahmen strukturelle Defizite von 2 bis 3 Milliarden Franken pro Jahr — weil die Ausgaben deutlich schneller wachsen als die Einnahmen.

878 Milliarden ist keine abstrakte Zahl. Es ist das Mass, in dem der Staat gelernt hat, sich für unentbehrlich zu halten und die Bürger haben bislang mitgespielt und werden es weiter tun.


Quellen:

  1. SwissVox — Bundesbären im Geldrausch: 878 Milliarden
  2. Eidgenössische Finanzverwaltung — Ausgaben 2025
  3. Eidgenössisches Finanzdepartement — Die Bundesfinanzen
  4. Finanz und Wirtschaft — Bundesbern zeigt sich unfähig, seine Ausgaben-Bonanza einzuhegen
  5. Avenir Suisse — Der Schweizer Staat wächst
Dieser Artikel wurde zuerst auf F-NEWS veröffentlicht.
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Kommentare

Ein Kommentar

  1. Dr.Faustus hat beschlossen und verkündet 👈

    Meine Meinung mit allem drum und dran dürfte bekannt sein …

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