Windräder produzieren nicht nur Strom. An ihren Rotorblättern nagt die Witterung: Regen, Hagel, Sand und Staub treffen mit hoher Geschwindigkeit auf die Vorderkante, beschädigen die Beschichtung und tragen Kunststoffpartikel ab. Der FPÖ-Europaabgeordnete Gerald Hauser wirft der EU vor, dieses Mikroplastikproblem zu verschweigen. Wie die Freie Deutsche Presse berichtet, will er die EU-Kommission dazu parlamentarisch befragen.
Der politische Angriff trifft einen wunden Punkt. Brüssel reguliert Plastikprodukte, Mikroperlen, Granulate und Verpackungen bis ins Detail. Die seit Oktober 2023 geltende REACH-Beschränkung richtet sich jedoch vor allem gegen Mikroplastik, das Produkten absichtlich zugesetzt wird. Abrieb, der beim Gebrauch größerer Kunststoffteile entsteht, fällt nicht unter dieses Verbot. Die EU-Kommission zählt solche unbeabsichtigten Freisetzungen zwar ausdrücklich zu ihrer Mikroplastikstrategie, behandelt sie aber über andere und bislang lückenhafte Instrumente.
Hauser spricht deshalb von Doppelmoral: Während Bürger und Unternehmen mit Verboten und Auflagen überzogen würden, passe der Abrieb von Windrädern nicht zum Bild der angeblich sauberen Energiewende. Diese Kritik ist berechtigt. Windkraft hat wie jede Industrieanlage Umweltfolgen. Beschichtungsabrieb, Reparaturstaub, Verbundwerkstoffe und die schwierige Entsorgung ausgedienter Rotorblätter dürfen nicht aus der Ökobilanz verschwinden.
Die EU sollte offenlegen, welche Daten sie über Rotorblattabrieb besitzt, wie dieser in Umweltprüfungen berücksichtigt wird und ob für Wartungsarbeiten verbindliche Schutzstandards gelten. Eine Energietechnik wird nicht dadurch sauber, dass ihre Nebenwirkungen verschwiegen werden.







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