Drei christliche Lebensberichte schildern unterschiedliche Wege im Umgang mit gleichgeschlechtlicher Anziehung. Die Betroffenen führen ihre Entscheidungen auf persönliche Glaubenserfahrungen zurück. Ihre Geschichten gleichen sich in einzelnen Punkten, unterscheiden sich aber deutlich darin, ob und wie sich ihre sexuelle Anziehung nach eigener Darstellung verändert hat.
Der australische Theologe David Bennett berichtet in seinem Buch „Liebe.Total.“ über seinen Weg vom Aktivisten der homosexuellen Bewegung zum christlichen Glauben. Wie eine Besprechung des Netzwerks Bibel und Bekenntnis zusammenfasst, hatte Bennett das Christentum zunächst als Bedrohung für homosexuelle Menschen betrachtet. Eine Begegnung während eines Gesprächs in einer australischen Kneipe deutete er später als Erfahrung der Liebe Gottes.
Bennett beschreibt seine Hinwendung zu Jesus nicht als Verschwinden seiner gleichgeschlechtlichen Neigung. Er bezeichnet diese weiterhin als Teil seiner Lebensgeschichte, sieht seine entscheidende Identität jedoch im christlichen Glauben. Nach einem längeren theologischen Ringen entschied er sich für ein zölibatäres und sexuell enthaltsames Leben. Er ordnet sich damit selbst einer Position zu, die eine homosexuelle Identität nicht leugnet, gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen aber nicht mit der traditionellen christlichen Sexualethik vereinbart.
Anders beschreiben Tove und Bjørn Refstad aus Norwegen ihren Lebensweg. Nach einem Bericht von Jesus.ch waren beide früher in der LGBTI-Gemeinschaft von Oslo aktiv und wurden unabhängig voneinander Christen. Bjørn erzählt von Einsamkeit, wechselnden Beziehungen und einer persönlichen Krise. Tove berichtet von Depressionen, Drogenabhängigkeit und langen Aufenthalten in psychiatrischen Einrichtungen. In einem christlichen Rehabilitationszentrum habe ihr Glaube eine neue Richtung erhalten.
Die beiden lernten sich in einer Bibelgruppe kennen. Tove verliebte sich nach eigener Aussage in Bjørn, während er zunächst Zeit brauchte, um sich eine Ehe und Familie vorstellen zu können. Sie heirateten 1987 und berichteten zum Zeitpunkt des Porträts von 36 Ehejahren. Beide führen die Veränderung ihres Lebens auf Gott zurück. Zugleich lehnen sie sogenannte Konversionstherapien ausdrücklich ab. Es habe nach ihrer Darstellung weder eine Methode noch den Versuch anderer Menschen gegeben, ihre Sexualität zu verändern.
Daniel C. Mattson schildert wiederum einen Weg, der Bennetts Entscheidung ähnelt. Laut einer Rezension des Medienmagazins PRO fühlte er sich bereits früh zu Jungen hingezogen und führte später Beziehungen mit Männern sowie eine Beziehung mit einer Frau. Er beschreibt diese Zeit als von Einsamkeit, Pornografie und der Suche nach Zugehörigkeit geprägt.
Mattson sagt nicht, dass seine gleichgeschlechtliche Neigung verschwunden sei. Er entschied sich, entsprechend der Lehre der katholischen Kirche auf homosexuelle Handlungen zu verzichten und allein zu leben. Die Bezeichnung „schwul“ lehnt er für sich ab, weil er seine Person nicht auf sexuelle Anziehung reduzieren möchte. Er berichtet, Frieden in der Beziehung zu Gott und in der Kirche gefunden zu haben, rechnet aber zugleich mit Phasen der Einsamkeit.
Die drei Berichte sind persönliche Glaubenszeugnisse und erheben keinen wissenschaftlichen Nachweis darüber, ob oder wodurch sich sexuelle Orientierung verändert. Bennett und Mattson beschreiben vor allem einen veränderten Umgang mit fortbestehender gleichgeschlechtlicher Anziehung; Tove und Bjørn Refstad erzählen von einer gemeinsamen Ehe nach früheren homosexuellen Beziehungen. Gemeinsam ist ihnen die eigene Deutung, dass der christliche Glaube ihre Identität, ihre Prioritäten und ihre Lebensführung grundlegend verändert habe.



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