Das Wetter kann in Deutschland gezielt beeinflusst werden – mit Flugzeugen, Chemikalien und Ausnahmegenehmigungen der Behörden. Wer bislang schon die Frage danach stellte, wurde schnell in die Ecke der Verschwörungstheoretiker geschoben. Nun bestätigt eine Antwort der Bundesregierung schwarz auf weiß: Cloud Seeding findet statt, doch der Bund weiß praktisch nichts darüber und will daran auch nichts ändern.
Die AfD-Fraktion wollte wissen, welche Unternehmen in Deutschland Wettermodifikation anbieten, wie viele Einsätze zwischen 2020 und 2025 genehmigt wurden, welche Partikel dabei ausgebracht wurden und welche Mengen anschließend in Böden und Gewässer gelangten. Die Bundesregierung führt keine zentrale Erfassung der Anbieter. Sie besitzt keine eigenen Erkenntnisse zu den Genehmigungen und keine zentralen Angaben zu Stoffen, Mengen oder einem speziellen Langzeitmonitoring.
Dabei geht es nicht um Science-Fiction. Beim sogenannten Cloud Seeding werden Wolken mit Partikeln „geimpft“, um Niederschlag oder die Bildung von Hagel zu beeinflussen. In Deutschland kommen etwa Hagelflieger zum Einsatz, die ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in Gewitterwolken einbringen. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnet die Wirksamkeit der Hagelabwehr als wissenschaftlich nicht bewiesen und bewertet die Methode ohne klare Nachweise zur Wirkung auf die Bevölkerung ausdrücklich kritisch.
Völlig ungeregelt ist das Ausbringen der Stoffe allerdings nicht. Paragraf 13 der Luftverkehrs-Ordnung verbietet zunächst das Abwerfen oder Ablassen von Stoffen aus Luftfahrzeugen. Die zuständige Luftfahrtbehörde des jeweiligen Bundeslandes kann jedoch Ausnahmen genehmigen, wenn keine Gefahr für Personen oder Sachen besteht. Genau dort verschwindet der Vorgang im deutschen Zuständigkeitsnebel: Die Länder dürfen genehmigen, der Bund sammelt die Daten nicht.
Die Bundesregierung weiß nach eigener Auskunft nicht, wie viele solcher Ausnahmegenehmigungen von 2020 bis 2025 erteilt wurden. Sie weiß nicht zentral, welche Partikel in welchen Mengen eingesetzt wurden. Sie kennt keine zentral erfassten Daten über Einträge in Böden und Gewässer und kein eigens darauf ausgerichtetes Langzeitmonitoring. Auch über grenzüberschreitende Einsätze, kommerzielle Anbieter in der EU oder Unternehmen, die an größer angelegten Verfahren zur Beeinflussung der Sonneneinstrahlung arbeiten, besitzt sie angeblich keine Erkenntnisse jenseits öffentlich zugänglicher Informationen.
Man könnte erwarten, dass diese Wissenslücken sofort geschlossen werden. Schließlich wird hier nicht ein Garten bewässert, sondern vorsätzlich in atmosphärische Vorgänge eingegriffen. Doch die Bundesregierung erklärt, sie plane weder eine zentrale Meldepflicht noch ein einheitliches Genehmigungsverfahren oder verbindliche Transparenzvorschriften. Auch entsprechende Initiativen der Europäischen Union seien ihr nicht bekannt.
Wettermodifikation darf also mit behördlicher Ausnahmegenehmigung stattfinden, während die Öffentlichkeit keine zentrale Stelle hat, bei der sie erfahren kann, wann, wo, wie oft und mit welchen Stoffen gearbeitet wurde. Klammheimlich ist nicht zwingend jeder einzelne Einsatz – bei den Ländern können durchaus Akten und Genehmigungen existieren. Klammheimlich ist das System: Es gibt kein öffentliches Gesamtbild, keine bundesweite Statistik und keine verbindliche Transparenz.
Auch die Weltorganisation für Meteorologie bestätigt, dass Programme zur Wettermodifikation in mehr als 50 Staaten betrieben werden. Die Effekte seien je nach Methode und Wetterlage schwer nachzuweisen; mögliche Folgen in windabwärts gelegenen Gebieten sowie ökologische Auswirkungen müssten weiter untersucht werden. Ausgerechnet bei einer Technik mit unklarer Wirksamkeit und offenen Umweltfragen entscheidet sich Berlin für den bequemen Blindflug.
Damit fällt wieder eine jener bequemen Abwehrformeln in sich zusammen, mit denen jede Debatte abgewürgt wurde: Die gezielte Beeinflussung von Wolken ist keine Verschwörungstheorie, sondern behördlich genehmigungsfähige Praxis. Nicht belegt ist deshalb automatisch jede Behauptung über angebliche Wetterwaffen oder jeden Kondensstreifen am Himmel. Aber wer nach Cloud Seeding, verwendeten Chemikalien und staatlicher Kontrolle fragt, stellt keine verrückte Frage. Verrückt ist vielmehr, dass die Bundesregierung darauf immer wieder nur antworten kann: Keine Erkenntnisse – und keine Transparenz geplant.
Quellen: Kurzmeldung des Deutschen Bundestages, Bundestagsdrucksache 21/7282, Paragraf 13 LuftVO, Deutscher Wetterdienst zur Wolkenimpfung und WMO-Erklärung zur Wettermodifikation.



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