Der AfD-Parteitag in Erfurt hat die formale Doppelspitze bestätigt, politisch aber ein anderes Bild geliefert: Alice Weidel steht stärker da, Tino Chrupalla schwächer. Nach außen bleibt das Führungsduo bestehen. In der Machtarchitektur der Partei verschiebt sich das Gewicht aber weiter in Richtung Weidel.
Laut WELT/dpa wurde Weidel ohne Gegenkandidaten mit 81 Prozent als AfD-Co-Chefin bestätigt. Chrupalla kam nach aktuellen Meldungen nur auf rund 70 Prozent. Für eine Partei, die in den Umfragen hoch steht und sich auf mögliche Regierungsfragen vorbereitet, ist dieser Abstand mehr als eine Fußnote.
Chrupalla bleibt im Amt, aber er geht angezählt aus Erfurt. Sein Ergebnis wirkt wie eine Warnung aus der Partei: Loyalität ja, Begeisterung nein. Weidel dagegen hat gezeigt, dass sie nicht nur mediale Spitzenkandidatin ist, sondern auch innerparteilich weiter Boden gewinnt. Die Doppelspitze existiert noch. Doch sie sieht immer weniger nach gleichberechtigter Führung aus.
Das könnte der Anfang vom Ende dieses Modells sein. Die AfD hat die Doppelspitze lange gebraucht, um Strömungen, Regionen und Temperamente auszubalancieren. Doch Parteien, die Richtung Kanzleramt marschieren wollen, dulden irgendwann keine zweite Stimme mehr neben der eigentlichen Machtfigur. Weidel arbeitet genau auf diesen Punkt hin.
In einem Phoenix-Interview rechnete Weidel nach Darstellung des Umfelds bereits mit möglichen Neuwahlen 2027. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre die entscheidende Frage nicht nur, mit welchem Programm die AfD antritt, sondern mit welcher Führung. Wenn die Partei in einen Kanzlerwahlkampf zieht, dürfte Weidel kaum Lust haben, sich den Führungsanspruch mit einem geschwächten Chrupalla zu teilen.
Während die CDU seit Merkels Abgang noch immer nicht wirklich begriffen hat, wer sie sein will, hat Weidel beharrlich ihren Weg an die Spitze fortgesetzt. Merz füllt das Machtvakuum nicht. Er verwaltet es. Weidel dagegen hat sich in der AfD zur zentralen Figur hochgearbeitet: Kontrolliert, hart, kühl, strategisch und zunehmend konkurrenzlos, ganz wie einst die ewige Kanzlerin.
Gerade darin liegt die politische Sprengkraft dieses Parteitags. Die AfD ist nicht mehr nur Protestpartei mit zwei Vorsitzenden und vielen Strömungen. Sie formt sich um eine Person, die den nächsten Schritt will. Weidel regiert die Partei mit eiserner Hand und lässt kaum Zweifel daran, wer den Kurs vorgibt.
Chrupalla kann noch ausgleichen, moderieren und nach innen beruhigen. Aber die Dynamik läuft gegen ihn. Sein schwächeres Ergebnis zeigt, dass die Partei nicht mehr automatisch an der alten Balance hängt. Wenn die AfD weiter steigt und die Union weiter schwankt, wird der Druck wachsen, die Machtfrage endgültig zu klären.
Erfurt könnte deshalb rückblickend als jener Parteitag gelten, auf dem die Doppelspitze zwar noch einmal gewählt, aber politisch bereits überholt wurde. Weidel hat sich durchgesetzt. Chrupalla ist beschädigt. Und die AfD bereitet sich sichtbar auf eine Phase vor, in der es nicht mehr um Oppositionsroutine geht, sondern um den Griff nach der Kanzlerschaft.







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