„Rechne im Herbst mit Krawallen“: Waldemar Hartmann bei Preradovic

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Symbolbild einer Demonstration mit Polizeikette und Wasserwerfer
Symbolbild: Demonstration und Polizeieinsatz

In einem neuen Gespräch von Punkt.PRERADOVIC spricht Milena Preradovic mit dem Journalisten und früheren Sportmoderator Waldemar Hartmann über die Fußball-WM, die politische Lage in Deutschland und die Landtagswahlen im Herbst. Hartmann erklärt dabei, er rechne mit schweren Auseinandersetzungen auf der Straße, falls sich die politischen Mehrheitsverhältnisse im Osten deutlich verschieben.

Preradovic fragt Hartmann, ob es auch in Deutschland zu Unruhen kommen könne. Als Anlass nennt sie die jüngsten Ausschreitungen in Belfast nach einem schweren Gewaltverbrechen. Hartmann antwortet, er fürchte eine solche Entwicklung bereits im Herbst. Seine Einschätzung verbindet er vor allem mit den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Hartmann entwirft ein Szenario, in dem die AfD in ostdeutschen Ländern sehr starke Ergebnisse oder sogar eine absolute Mehrheit erreicht, während in Berlin die politische Linke gewinnt. Nach seiner Darstellung könnten AfD-Anhänger einen Wahlerfolg selbstbewusst auf der Straße feiern, während linke Gruppen umfangreiche Gegenproteste organisierten. Er erwartet, dass beide Lager unmittelbar aufeinandertreffen könnten. Dabei betont er mehrfach, dass er eine solche Entwicklung nicht wünsche, sondern befürchte.

Als Beispiel für vorhandenes Mobilisierungspotenzial verweist Hartmann auf die Proteste nach einer gemeinsamen Abstimmung von Union und AfD im Bundestag. Er erinnert an Demonstrationen, Angriffe auf CDU-Geschäftsstellen und die zeitweise Evakuierung von Mitarbeitern des Konrad-Adenauer-Hauses. Aus seiner Sicht könnten diese Vorgänge gegenüber dem, was nach den kommenden Wahlen möglich sei, noch vergleichsweise begrenzt erscheinen.

Ein weiterer Teil des Gesprächs behandelt den politischen Umgang mit der AfD. Hartmann sagt ausdrücklich, er habe bei einzelnen Positionen und Personen der Partei erhebliche Bedenken. Zugleich kritisiert er, dass einer gewählten Partei parlamentarische Rechte vorenthalten würden. Dies wertet er als Missachtung der Wähler. Koalitionen fast aller übrigen Parteien, die ausschließlich der Verhinderung einer AfD-Regierung dienten, entsprächen nach seiner Auffassung nicht dem Wählerwillen.

Preradovic und Hartmann sprechen außerdem über den Streit um eine Deutschlandfahne im Bundestag. Hartmann erklärt, er habe zunächst angenommen, das Verbot einer von außen sichtbaren Fahne müsse eine Falschmeldung sein. Dass eine solche Regel im Bundestag tatsächlich gelte, könne er nicht nachvollziehen. Er nennt den früheren Umgang Angela Merkels mit einer Deutschlandfahne auf einer CDU-Veranstaltung als einen persönlichen Wendepunkt seiner politischen Haltung.

Hartmann beschreibt Friedrich Merz als große politische Enttäuschung. Er habe Merz unterstützt, weil er ihn als Gegenmodell zu Angela Merkel betrachtet und auf einen Kurswechsel gehofft habe. Heute bezeichnet er sich als „enttäuschten Liebhaber“ von Merz. Die Wirtschaftsstrategie der Bundesregierung nennt er „Luftpumpenpolitik“. Angekündigte Investitionen seien seiner Darstellung nach vielfach bereits geplant gewesen oder lediglich als Absicht präsentiert worden.

Beim Thema Medien berichtet Hartmann von seiner eigenen Laufbahn im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Früher habe es erkennbare konservative und linke Schwerpunkte innerhalb der ARD gegeben, die zumindest eine gewisse Balance ermöglicht hätten. Diese Ausgewogenheit sieht er heute nicht mehr. Preradovic und Hartmann kritisieren außerdem die häufige „Einordnung“ von Nachrichten. Hartmann meint, Zuschauer könnten sich auch ohne solche Vorgaben eine eigene Meinung bilden.

Aus seinem heutigen Wohnort Leipzig leitet Hartmann Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland ab. Ostdeutsche nähmen Einschränkungen der Meinungsfreiheit, staatliche Kontrolle und politische Ausgrenzung nach seiner Beobachtung sensibler wahr, weil viele entsprechende Erfahrungen aus der DDR mitbrächten. Auch die neue Forderung nach deutscher „Kriegstüchtigkeit“ werde dort skeptischer betrachtet. Hartmann hält die angekündigte Modernisierung der Bundeswehr angesichts des Zustands staatlicher Infrastruktur für wenig glaubwürdig und bezeichnet die politische Kriegsrhetorik als „Nebelkerze“.

Zum Auftakt und Abschluss geht es um die Fußball-WM. Hartmann kritisiert die politische Aufladung großer Turniere und fordert den Deutschen Fußball-Bund auf, sich stärker auf den Sport zu konzentrieren. Der deutschen Mannschaft traut er den Titel wegen fehlender internationaler Spitzenklasse nicht zu. Zu den Favoriten zählt er Spanien, Frankreich und Brasilien; Mexiko nennt er als mögliche Überraschungsmannschaft.

Quelle: Punkt.PRERADOVIC: Gespräch mit Waldemar Hartmann

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