Vom Ex-Wessi zum Kostüm-Ossi

Gericht stoppt Maulkorb-Politik: Höcke darf sprechen!
Foto: F-News

Ausgerechnet Björn Höcke erklärt Westdeutsche zu „deutschsprechenden Amerikanern“. Dabei ist der Thüringer AfD-Chef selbst ein waschechter Wessi: geboren in Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, Studium und Berufsleben in Westdeutschland. Erst 2008 zog er nach Thüringen.

Im Weltwoche-Interview behauptete Höcke, im Osten lebten noch „deutschsprechende Deutsche“. Der Westen habe dagegen eine „Ersatzidentität“ angenommen und sich von der amerikanischen Kultur „völlig usurpieren lassen“. Der „Amerikanismus“ sei eine „Antithese zum Deutschtum“.

Damit löste Höcke auch in der AfD Widerspruch aus. Beatrix von Storch warnte vor einer geistigen und kulturellen Spaltung der deutschen Nation. Rüdiger Lucassen nannte die Aussagen „herabwürdigend“, „absolut falsch und töricht“ sowie „SED-Sprech“. Bernd Baumann sprach dagegen von einer zugespitzten Wahlkampfaussage, während Kay Gottschalk sich demonstrativ als „gesundes Produkt“ einer intakten westdeutschen Schule bezeichnete.

Ist damit die Sache erledigt? Das bleibt zu fürchten, denn es gibt für viele keine Alternative zur AfD und innerhalb der Partei kaum Alternativen zum etablierten Führungspersonal. Und so werden die Wähler, die noch an Demokratie glauben, dem Ex-Wessi sein aufgesetztes Ossi-Gehabe verzeihen, wenn sie wieder an die Wahlurnen gerufen werden um ihre Stimmen einzuäschern. Das wird auf Landesebene erst im Herbst 2029 der Fall sein und bis dahin sind die peinlichen Sprüche von heute längst zum Geschwätz von gestern mutiert. So wird man das in Berlin sehen, falls es in Kürze auf Bundesebene zu Neuwahlen kommt. Dabei wird Björn Höcke keine Rolle spielen. Und das ist auch gut so.

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