Flock Safety verkauft sein riesiges Kameranetz vor allem als Werkzeug zur Fahndung nach Fahrzeugen. Doch US-Polizeibehörden durchsuchen die Aufnahmen längst auch nach Menschen. Wie 404 Media anhand ausgewerteter Suchdaten berichtet, kam die KI-Funktion „FreeForm“ mindestens Hunderte Male für Personenfahndungen zum Einsatz.
Die Beamten müssen dafür keinen Namen und kein Gesicht eingeben. Beschreibungen wie „kräftiger Mann mit schwarz-weißer Mütze“, „Person auf einem Skateboard“ oder „Person mit orangefarbener Weste und Bauarbeiterhelm“ reichen aus. Laut der Recherche wurde teils auch nach Hautfarbe, Tattoos, Sportkleidung oder sichtbaren Zeichen einer politischen Zugehörigkeit gesucht. Aus einem Kennzeichenleser wird damit eine Suchmaschine für Menschen.
Flock bestätigt die technische Reichweite inzwischen selbst. Auf der Produktseite zu FreeForm wirbt das Unternehmen mit natürlicher Sprache, KI-Bilderkennung, behördenübergreifendem Kamerazugriff und Alarmen, sobald eine gesuchte Person erneut auftaucht. Die Personensuche laufe auf freigeschalteten Videokameras und könne auch Aufnahmen teilnehmender Behörden, Unternehmen, Hochschulen oder benachbarter Grundstücke erfassen.
Flock betont, dass keine Gesichtserkennung und keine biometrische Identifizierung eingesetzt würden. Das klingt beruhigend, greift aber zu kurz. Wer Kleidung, Körperbau, sichtbare Accessoires, Bewegungsmuster und Aufenthaltsorte kombiniert, kann einen konkreten Menschen auch ohne Namensschild verfolgen. Die Überwachung wird dadurch nicht harmlos, sondern nur sprachlich umetikettiert.
Besonders brisant ist die Größe des Netzes. Ein Beamter kann je nach Freigabe nicht nur die Kamera vor Ort, sondern Hunderte Kameras und geteilte Bestände anderer Stellen durchsuchen. Flock verweist auf Berechtigungen, Protokolle und nachträgliche Kontrollen. Doch ein protokollierter Zugriff bleibt ein Zugriff. Ob eine Suche angemessen war, erfahren die erfassten Bürger in der Regel nicht.
Der aktuelle 404-Media-Podcast fasst die Recherche zusammen. Er zeigt, wie schnell eine Infrastruktur mit begrenztem Verkaufsversprechen zur allgemeinen Rasterfahndung wird: Erst werden Autos erfasst, dann Menschen beschrieben, schließlich meldet die Software, wann der Gesuchte wieder vor einer Kamera erscheint. Dafür braucht es nicht einmal Gesichtserkennung. Es genügt, dass der öffentliche Raum lückenlos genug beobachtet wird.



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