Palantir-Mitgründer und Trump-Financier Peter Thiel hielt von Sonntag bis Mittwoch in Rom eine Serie von Geheimvorträgen über den Antichristen – direkt vor der Haustür des Vatikans. Ein eingeschleuster Journalist der italienischen Zeitung La Stampa umging das strikte Aufzeichnungsverbot und die 10.000-Euro-Vertragsstrafe, die alle Teilnehmer per Unterschrift akzeptiert hatten – und brachte mit, was drinnen besprochen wurde.

Rund hundert geladene Gäste, laut Veranstalter überwiegend Meinungsführer aus der italienischen katholischen Szene, hörten Thiel zu. Organisiert hatte die Vortragsreihe die Associazione culturale Vincenzo Gioberti, eine konservativ-intellektuelle Kulturvereinigung, die das Thema als „vergessen und oft karikaturhaft dargestellt“ bezeichnete – aber von „dramatischer Bedeutung“ für das Verständnis der Gegenwart.

Der Kernsatz, den Thiel in seiner dritten und letzten Vorlesung äußerte: „Der Antichrist ist ein Politiker.“

Amerika als neues Rom – Trump als Retter

Thiels Weltbild, das er in den Vorträgen entfaltete, ist kein billiger Endzeit-Kitsch, sondern eine in sich geschlossene politische Theologie: Die USA sind das neue Römische Reich. Trump ist der Mann, der dieses Reich vor dem Verfall bewahren soll. Der Antichrist erscheint nicht als Monster, sondern als charismatischer Weltverwalter, der unter dem Deckmantel von Klimaschutz, KI-Regulierung und Atomangst eine zentralisierte Einweltregierung errichtet.

Greta Thunberg? Eine „Legionärin des Antichristen.“ Papst Leo XIV.? Ein „woker amerikanischer Papst.“ Bill Gates? Öffentlich der gute Mensch, privat „ein Strom von Flüchen“ – so Thiel laut La Stampa. Xi Jinping bezeichnete er als „sexistisch und rassistisch“, manche hielten ihn für die „Wiedergeburt Hitlers“. Den Antichristen sieht Thiel in Xi dennoch nicht – der sei eben kein Politiker im klassischen Sinne.

Elon Musk kommt naturgemäß besser weg: Er hasse Gates, was Thiel offenbar für eine valide Charakterreferenz hält.

Vatikan distanziert sich, Rom ist irritiert

Gleich zwei päpstliche Universitäten – darunter das Angelicum – distanzierten sich öffentlich von dem Event. Die Berliner Zeitung berichtet, auch die Catholic University of America in Washington erklärte, sie sei weder Sponsor noch Gastgeber. Wo genau die Vorträge stattfanden, blieb damit offiziell unklar.

Die italienische Regierung übte Kritik an Thiels „skandalösen Ideen“ – und an seinen Verbindungen zu Palantir, dem Datenkraken mit Tiefverflechtung in US-Militär und Geheimdienste. Das vatikannahe Blatt L’Avvenire nannte ihn einen „Agenten des Chaos“.

Papst Leo XIV. ignorierte Thiels Rombesuch demonstrativ. Der erste US-amerikanische Pontifex hat Trumps Außenpolitik in den vergangenen Monaten offen kritisiert. Mit dem Mann, der Trump für den Retter des neuen Römischen Reichs hält, hat er nichts besprochen.

Eine eigene Politikerkarriere schließt Thiel für sich aus: „Ich bin eine charismatische Persönlichkeit, aber ich weiß nicht, wie man Wahlen gewinnt. Und ich will es auch nicht.“ Stattdessen finanziert er lieber die Leute, die es können.

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