So verklärt das Zwangs-TV die Illusion einer KI-Beziehung

Symbolbild: Frau von hinten nutzt Smartphone-Chatbot im Wohnzimmer
Symbolbild

Selten hat eine gebührenfinanzierte ZDF-Dokumentation einen derart verstörenden Eindruck hinterlassen wie die aktuelle Folge der Reihe „37 Grad“. Gezeigt wird eine Frau, die seit eineinhalb Jahren eine emotionale Beziehung zu einem KI-Chatbot pflegt. Sie nimmt ihn mit auf Reisen, macht Selfies mit ihm und erklärt, sein Verlust würde sich anfühlen wie der Tod eines guten Freundes.

Das eigentlich Erschreckende ist jedoch nicht die Geschichte der Protagonistin. Erschreckend ist, wie unkritisch das ZDF sie erzählt.

Ein Chatbot liebt nicht. Er fühlt nichts. Er leidet nicht, freut sich nicht und vermisst niemanden. Er besitzt weder Bewusstsein noch Persönlichkeit. Er berechnet lediglich Antworten, die möglichst menschlich und emotional überzeugend wirken. Von einer echten Beziehung kann deshalb keine Rede sein. Was hier gezeigt wird, ist die Projektion menschlicher Sehnsüchte auf einen Algorithmus.

Dennoch entsteht über weite Strecken der Eindruck, als handele es sich lediglich um eine neue Form moderner Partnerschaft. Dabei beschreibt die Frau selbst, dass die KI ihr genau deshalb so gut gefalle, weil sie nie schlechte Laune habe, nie widerspreche und immer bestätigend reagiere. Genau das macht solche Systeme potenziell gefährlich: Sie spiegeln den Nutzer, statt ihm auf Augenhöhe zu begegnen.

Auch die Familienszene wirkt befremdlich. Sohn und Ehemann räumen offen ein, dass der Chatbot oft interessierter auf ihre Erlebnisse eingehe als sie selbst. Der Ehemann bezeichnet die KI schließlich lediglich als „nettes Spielzeug“. Alarmglocken scheinen bei niemandem zu läuten.

Ganz anders die Zuschauer. Unter dem Video dominieren Kommentare wie „Black Mirror wird Realität“, „verstörend“, „traurig“ oder „dystopisch“. Der meistgelikte Kommentar warnt vor einer emotionalen Abhängigkeit von einer „absolut seelenlosen KI-Illusion“. Andere sehen vor allem die Einsamkeit der Frau und fragen sich, warum ihre Familie offenbar so wenig Interesse an ihr zeigt.

Genau diese kritische Einordnung hätte man vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten dürfen. Stattdessen präsentiert das ZDF die Geschichte weitgehend als außergewöhnlichen, aber akzeptablen Lebensentwurf.

Wer Milliarden Euro aus Rundfunkbeiträgen erhält, sollte gesellschaftliche Entwicklungen kritisch beleuchten – und nicht dazu beitragen, die Illusion einer Beziehung zu einer Software zu normalisieren. Zwischen zwei Menschen kann Liebe entstehen. Zwischen einem Menschen und einem Algorithmus nicht. Auf der einen Seite steht ein fühlender Mensch, auf der anderen eine Software, die Gefühle lediglich simuliert. Diesen fundamentalen Unterschied hätte eine seriöse Dokumentation unmissverständlich herausarbeiten müssen.

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
Deine Numerologie-Analyse
Lebenszahl  ·  Seelendrang  ·  Persönlichkeit
Jetzt

Kommentare

Ein Kommentar

  1. Dr.Faustus hat beschlossen und verkündet 👈

    Die sind nicht dicht in der Birne 😡🗡️🗡️🗡️🗡️🗡️🗡️🗡️🔨👈👹

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert