Die SVP Schweiz wirft dem Bundesrat und dem Staatssekretariat für Migration eine Schönfärberei bei den Zuwanderungszahlen vor. In einem aktuellen Editorial kritisiert die Partei, dass die Behörden vor allem mit Nettozahlen arbeiten und damit das tatsächliche Ausmaß der Migration verdecken würden.
Offiziell meldete das Staatssekretariat für Migration, Nettozuwanderung und Asylgesuche seien 2025 zurückgegangen. Die ständige Wohnbevölkerung sei um 74.675 Personen gewachsen, rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Asylgesuche sei um sieben Prozent auf 25.781 gesunken. Für die SVP ist genau diese Darstellung der Kern des Problems: Der Bund rechne sich die Lage schön, indem er den Saldo in den Vordergrund stelle.
Entscheidend sei nicht nur, wie viele Menschen unter dem Strich bleiben, sondern wie viele tatsächlich ins Land kommen. Denn Wohnraum, Schulen, Gesundheitswesen, Sozialwerke, Arbeitsmarkt und Infrastruktur müssten alle Neuankömmlinge verkraften, nicht nur die rechnerische Differenz zwischen Ein- und Auswanderung.
Die SVP rechnet deshalb anders: 2025 seien 165.386 Personen in die ständige Wohnbevölkerung eingewandert. Dazu kämen 99.353 Kurzaufenthalter, etwa Erwerbstätige, Selbständige, Studenten oder Künstler. Damit ergebe sich bereits eine Bruttozuwanderung von 264.739 Personen. Diese Zahl suche man in den offiziellen Bundesstatistiken vergeblich, kritisiert die Partei.
Noch deutlicher wird die Kritik im Asylbereich. Das SEM nenne 25.781 Asylgesuche, lasse nach Darstellung der SVP aber die Schutzstatus-Gesuche von Ukrainern aus dem Blick. 2025 seien dies 12.897 gewesen. Zusammen komme der Asylbereich damit auf 38.678 Personen. Addiert man diese Zahl zur Bruttozuwanderung, spricht die SVP von 303.417 Menschen in einem einzigen Jahr.
Damit geht es um mehr als Statistik. Wer nur Nettozahlen präsentiert, kann politische Entwarnung geben, obwohl Verwaltung, Wohnungsmarkt, Schulen und Sozialkassen längst die Bruttorealität spüren. Die SVP spricht von einer systematischen Irreführung der Bevölkerung. Genau diese Zahlenspiele kennt man nicht nur aus der Schweiz: Sobald Migration politisch unbequem wird, verschwinden entscheidende Belastungsgrößen hinter freundlich klingenden Salden.
Der Streit zeigt, wie viel Macht in statistischer Darstellung steckt. Eine Regierung muss nicht zwingend falsche Zahlen nennen, um ein falsches Bild zu erzeugen. Es reicht, die unbequemen Zahlen wegzulassen und die beruhigenden nach vorne zu stellen. Für Bürger, die die Folgen vor Ort erleben, ist das keine Statistikdebatte. Es ist die Frage, ob Politik noch ehrlich über die Realität spricht.




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