Die Schwarz-Gruppe zieht bei ihren deutschen Dienstwagen den Stecker. Mitarbeiter des Konzerns hinter Lidl und Kaufland können vorerst keine neuen vollelektrischen Fahrzeuge mehr bestellen. Stattdessen kommen wieder Verbrenner in die Flotte.
„Aufgrund der hiesigen Volatilität auf dem Automobilmarkt und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen haben wir uns entschieden, vollelektrische Fahrzeuge bei Neubestellungen vorerst nicht mehr aufzunehmen“, erklärte ein Konzernsprecher gegenüber Business Insider.
Hinter der Kehrtwende steckt keine Reichweitenangst, sondern eine ernüchternde Rechnung. Die Schwarz-Gruppe least ihre Dienstwagen nicht, sondern kauft sie und verkauft sie später als Gebrauchtfahrzeuge. Genau dort werden Elektroautos zum Risiko: Die Nachfrage auf dem deutschen Gebrauchtmarkt ist schwach, die Restwerte sinken und der rasche Fortschritt bei Reichweite, Ladeleistung und Software lässt erst drei Jahre alte Modelle schnell veraltet erscheinen.
Der staatliche Steuervorteil kaschiert das Problem nur beim Neuwagen. Arbeitnehmer müssen für einen elektrischen Dienstwagen lediglich 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, beim Verbrenner ist es ein Prozent. Auf dem Gebrauchtmarkt fehlt diese Subvention. Dort entscheidet der Käufer mit eigenem Geld – und der zahlt für gebrauchte Stromer offenbar deutlich weniger, als Flottenbetreiber kalkuliert haben.
Ausgerechnet einer der größten Arbeitgeber Europas stimmt damit über die E-Mobilität nicht mit Sonntagsreden, sondern mit Milliardenvermögen ab. Der Konzern betont zwar, an seinen Klimazielen festzuhalten, und verweist auf 24.024 Ladepunkte an 6.973 Standorten. In anderen Ländern sollen weiterhin Elektrofahrzeuge beschafft werden. In Deutschland aber lautet das Urteil vorerst: wirtschaftlich nicht attraktiv genug.
Die Entscheidung ist ein Warnsignal für Politik und Autoindustrie. Wenn selbst ein finanzstarker Großkonzern mit eigener Ladeinfrastruktur den Wertverlust nicht mehr tragen will, liegt das Problem tiefer als bei fehlenden Ladesäulen. Eine Antriebswende, die nur durch Steuerprivilegien und mögliche Flottenzwänge attraktiv bleibt, steht nicht auf einem Markt – sondern auf politischen Krücken.



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