SATIRE: Deutschland hat bei der Leihmutterschaft eine klare Haltung: verboten. Also jedenfalls hier. Wer genug Geld, internationale Kontakte und ein Flugticket in die USA besitzt, bekommt zum deutschen Nein offenbar noch eine freundliche Wegbeschreibung zum nächsten amerikanischen Ja.
Den passenden Kommentar liefert Josef Thoma in seinem Video „Nicht für schwule Millionäre …“. Wobei das Problem weniger im Schwulsein liegt als im Millionärsein. Denn sexuelle Orientierung öffnet keine Flughafenschleuse. Ein ausreichend gefülltes Konto dagegen scheint selbst deutsche Grundsatzdebatten erstaunlich reisefreudig zu machen.
Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke sind Eltern eines Sohnes geworden. Das Kind wurde in den USA von einer Leihmutter ausgetragen. Wir gratulieren dem Kind ausdrücklich zum Leben und wünschen ihm alles Gute. Der Kleine ist nicht die Pointe. Die Pointe ist der erwachsene Spitzenpolitiker, der jahrelang in einem Land Politik macht, das Leihmutterschaft verbietet, und dann feststellt: Zum Glück hat die Moral einen internationalen Abflugbereich.
In Deutschland untersagt das Embryonenschutzgesetz Ärzten, bei einer Ersatzmutter eine künstliche Befruchtung vorzunehmen oder ihr einen Embryo zu übertragen. Auch die Vermittlung von Ersatzmüttern ist verboten. Die Bestelleltern selbst werden nach diesen Vorschriften nicht bestraft. Juristisch ist das ausgesprochen praktisch: Der deutsche Staat verriegelt die Haustür, lässt den Schlüssel aber unter der amerikanischen Fußmatte liegen.
Spahn erklärte, er habe lange mit sich gerungen und seinen persönlichen Kinderwunsch gegen seine politische Haltung abgewogen. Das Ergebnis dieses Ringens muss ungefähr so ausgesehen haben: Auf der einen Seite lag die politische Haltung, auf der anderen ein Flugticket. Dann kam eine kräftige Böe aus Richtung Washington – und weg war die Haltung.
Für gewöhnliche Bürger lautet die politische Gebrauchsanweisung: Gesetze spiegeln ethische Grenzen, die Gesellschaft muss schwierige Entscheidungen akzeptieren und nicht jeder Wunsch kann erfüllt werden. Für Mitglieder der gehobenen Reiseklasse gibt es offenbar eine Zusatzzeile: Sollte die ethische Grenze stören, wenden Sie sich bitte an eine Auslandsagentur Ihres Vertrauens.
Damit eröffnet sich ein ganz neues Regierungsmodell. Was in Deutschland verboten oder unerwünscht ist, wird künftig nicht mehr reformiert. Man lagert es einfach aus. Kernkraft aus Frankreich, billige Produktion aus Asien, Leihmutterschaft aus Amerika – und die politische Verantwortung bleibt selbstverständlich regional und klimaneutral in Berlin.
Besonders rührend ist die plötzlich entdeckte Demut. Andere Menschen zeigen Demut, indem sie eine Grenze akzeptieren. Deutsche Spitzenpolitiker zeigen Demut, indem sie lange genug über die Grenze nachdenken, bevor sie sie in der Business Class überfliegen. Das ist keine Heuchelei, sondern Premium-Gewissensmanagement.
Vielleicht sollte das Embryonenschutzgesetz deshalb ehrlicher formuliert werden: Leihmutterschaft ist verboten, sofern der Kinderwunsch nicht über ausreichende Bonität, politische Prominenz und einen gültigen Reisepass verfügt. Für alle anderen bleibt die bewährte deutsche Lösung: moralische Belehrung am Schalter, Nummer ziehen und bitte nicht drängeln.
Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire. Reale Tatsachen sind die öffentlich bestätigte Geburt des Kindes durch eine Leihmutter in den USA sowie die genannten deutschen Verbotsregelungen. Die zugespitzten Deutungen und Formulierungen sind satirisch.



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