Russland erlässt internationalen Haftbefehl gegen Telegram Gründer Durow

Smartphone mit Telegram-Symbol und roten sowie blauen Lichtreflexen als Symbolbild für den russischen Haftbefehl gegen Pavel Durow
Symbolbild: Russland fahndet international nach Telegram-Gründer Pavel Durow

Russland hat Telegram-Gründer Pavel Durow wegen des Vorwurfs der Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten angeklagt und international zur Fahndung ausgeschrieben. Das teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB am Mittwoch mit.

Der FSB wirft der Telegram-Führung vor, zahlreiche Kanäle, Chats und Bots nicht gelöscht zu haben. Diese seien nach Darstellung der Behörde von ukrainischen Geheimdiensten sowie terroristischen und extremistischen Organisationen genutzt worden, um Sabotageakte, Terroranschläge, Massentötungen und Cyberbetrug in Russland vorzubereiten und zu koordinieren.

Die russischen Behörden machen Telegram damit nicht nur für rechtswidrige Inhalte, sondern für die angeblichen Folgen der über den Messenger organisierten Aktivitäten mitverantwortlich. Der FSB spricht von zahlreichen Todesopfern, darunter Frauen und Kinder, sowie von Schäden in Milliardenhöhe. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben zunächst nicht.

Durows Konflikt mit dem russischen Staat reicht weit zurück. Bereits 2006 gründete er mit seinem Bruder Nikolai das soziale Netzwerk VKontakte, kurz VK, das zum russischen Gegenstück zu Facebook aufstieg. Durow weigerte sich später nach eigenen Angaben, dem FSB persönliche Daten ukrainischer Demonstranten auszuhändigen und die Seite des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny zu sperren.

2014 verlor Durow die Kontrolle über VK, wurde als Unternehmenschef abgesetzt, verkaufte seine verbliebenen Anteile und verließ Russland. Telegram selbst nennt die verweigerte Herausgabe der Daten ukrainischer Protestteilnehmer als Grund für seinen Bruch mit dem Land. Der heutige Haftbefehl ist deshalb nicht der Beginn, sondern die nächste Eskalation eines jahrelangen Machtkampfs.

Durow lebt heute überwiegend in Dubai, wo Telegram seinen Sitz hat. Weder er noch das Unternehmen äußerten sich zunächst zu den neuen Vorwürfen.

Russland hatte bereits versucht, den Messenger zu blockieren, und den Zugriff zuletzt erneut eingeschränkt. Durow warf dem Kreml vor, die Nutzer auf einen staatlich kontrollierten Dienst drängen zu wollen, der Überwachung und politische Zensur ermögliche.

Brisant ist, dass Telegram in Russland weiterhin zu den wichtigsten Kommunikationsplattformen gehört. Auch russische Militärblogger, Behördenvertreter und Soldaten nutzen den Dienst intensiv. Moskau geht nun dennoch gegen den Mann vor, dessen Plattform für die eigene Kriegs- und Informationsführung kaum zu ersetzen ist.

Durow steht nicht nur in Russland unter juristischem Druck. In Frankreich wurde er 2024 festgenommen und später wegen mehrerer Vorwürfe im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten auf Telegram unter Auflagen gestellt. Auch dort lautet der Kern des Konflikts, Telegram gehe nicht entschieden genug gegen illegale Inhalte vor und kooperiere unzureichend mit den Strafverfolgungsbehörden.

Damit gerät Durow nun von zwei Seiten ins Visier: Frankreich und Russland werfen ihm in unterschiedlicher Form vor, die Kontrolle über Telegram und die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen nicht weit genug zu treiben. Der internationale russische Haftbefehl verschärft seinen Bewegungsradius zusätzlich. Ob und welche Staaten einem russischen Fahndungsersuchen folgen würden, ist offen.

Quellen: Associated Press und Telegram zur Unternehmensgeschichte.

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