Zwei Jahre lang herrschte Funkstille – jetzt sendet 3sat eine Dokumentation über das pädokriminelle „Kentler-Experiment“ in Berlin. Doch was als Aufarbeitung verkauft wird, entpuppt sich als problematische Schönfärberei, schreibt DemoFürAlle.

Zwar kommt in der Doku auch ein Betroffener zu Wort, und historische TV-Ausschnitte zeigen, wie präsent Helmut Kentler einst in den Medien war. Neue Erkenntnisse? Fehlanzeige. Statt unbequeme Fragen an die Berliner Senatsverwaltung zu stellen, bleibt der Film auffällig zahm. Besonders brisant: Die bis heute fortwirkenden sexualpädagogischen Konzepte, die auf Kentlers Ideen vom „Kind als sexuelles Wesen“ beruhen, werden laut der Kritik nicht grundsätzlich infrage gestellt.

Für Stirnrunzeln sorgt zudem der Auftritt von Uwe Sielert, einem engen Weggefährten Kentlers, der dessen Konzepte weiterentwickelte und verbreitete. Eine kritische Einordnung? Kaum erkennbar. Stattdessen fällt im Film sogar der Satz, Kentler habe der Sexualpädagogik „bestimmte gute Momente“ beschert – ein Befund, der angesichts der bekannten Hintergründe wie Hohn wirkt.

Die Mitteilung spricht von einem regelrechten Trennungsversuch: Kentlers Verbrechen auf der einen Seite – seine sexualpädagogischen Theorien auf der anderen. Dabei gehörten beides untrennbar zusammen. Wer hier sauber scheidet, betreibt aus Sicht der Autoren keine Aufklärung, sondern Relativierung. Auch andere Medienberichte und Podcast-Formate werden als einseitig kritisiert, weil sie diesen zentralen Aspekt ausklammern.

Statt Verharmlosung fordern die Initiatoren eine kompromisslose Aufarbeitung des Kentler-Erbes – insbesondere dort, wo seine Konzepte bis heute in Schulen, Kitas oder sogar kirchlichen Einrichtungen fortwirken.

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