Todesstrafe wegen Blasphemie: Nigerias Oberstes Gericht lässt Musiker in Haft

Symbolbild: Gitarre und Aktenmappe in einer Gefängniszelle
Symbolbild

Der Oberste Gerichtshof Nigerias hat die für Ende Juni angesetzte Anhörung im Fall des Sufi-Musikers Yahaya Sharif-Aminu kurzfristig abgesagt und keinen neuen Termin genannt. Wie ADF International berichtet, sitzt Sharif-Aminu seit über sechs Jahren wegen angeblicher Blasphemie in Haft. Ihm droht weiterhin die Todesstrafe wegen selbst verfasster Liedtexte.

ADF International fordert die Freilassung von Sharif-Aminu, die Aufhebung der Blasphemiegesetze und ein unverzügliches Handeln des Gerichtshofs sowie internationaler Gremien. Die nun abgesagte Anhörung sollte das Datum für mündliche Verhandlungen festlegen, in denen die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafenregelung geprüft werden soll. Obwohl alle Schriftsätze vorlagen und Verfahren mit drohender Hinrichtung Vorrang haben, wurde der Termin wenige Tage zuvor gestrichen.

Der Fall ist ein weiterer Rückschlag nach jahrelangen Verzögerungen. Bei ihrem jüngsten Besuch in Nigeria im Juni kritisierte die UN-Sonderberichterstatterin Nazila Ghanea das Gesetz des Bundesstaates Kano als eine Abkehr von verfassungsmäßig garantierten Grundrechten. Genau hier liegt die Brutalität solcher Blasphemiegesetze: Sie machen religiöse und künstlerische Äußerungen zur existenziellen Gefahr.

„Jede Verzögerung in Sharif-Aminus Fall bedeutet einen weiteren Tag, den er hinter Gittern verbringen muss – nur weil er seinen Glauben friedlich in Liedtexten geäußert hat“, erklärte Sean Nelson, leitender Rechtsanwalt bei ADF International im Team für weltweite Religionsfreiheit. Niemand dürfe wegen seines Glaubens in einer Zelle schmachten oder mit dem Tod rechnen müssen. Wenn Nigeria als Land wahrgenommen werden wolle, das Religions- und Meinungsfreiheit schützt, müsse es diese Blasphemiegesetze abschaffen.

Sharif-Aminu wurde 2020 festgenommen, nachdem er Liedtexte über WhatsApp geteilt hatte, die als blasphemisch eingestuft wurden. Ein Mob brannte das Haus seiner Familie nieder. Ein Scharia-Gericht verurteilte ihn ohne Rechtsbeistand zum Tod. 2021 hob der Oberste Gerichtshof des nigerianischen Bundesstaates Kano das Urteil wegen schwerer Verfahrensfehler auf, ordnete jedoch eine Neuverhandlung unter demselben Gesetz an. Seit der Berufung 2022 befindet sich Sharif-Aminu weiter in Haft.

Nigeria gehört laut ADF International zu den sieben Ländern weltweit, in denen Blasphemie mit dem Tod bestraft werden kann. Die Absage der Anhörung Ende Juni 2026 wurde demnach mit einer angeblich neuen Verwaltungsvorgabe begründet. Kola Alapinni, der Hauptverteidiger Sharif-Aminus, kritisiert die erneute Verzögerung und fordert die Abschaffung der Todesstrafenregelung sowie die sofortige Neuansetzung der Anhörung.

Der Fall hat längst internationale Aufmerksamkeit erregt. Das Europäische Parlament verabschiedete seit 2023 bereits zweimal Dringlichkeitsentschließungen zu Sharif-Aminu. Die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen stellte 2024 fest, dass Nigeria in seinem Fall internationale Menschenrechte verletzt. Auch der Gerichtshof der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS forderte im vergangenen Jahr mit Hinweis auf den Fall die Aufhebung der Blasphemiegesetze.

Dr. Felix Böllmann, Leiter der europäischen Rechtsabteilung von ADF International, bezeichnet Blasphemiegesetze als Hebel, um Vertreter religiöser Minderheiten öffentlich zu kriminalisieren. Wenn dem nicht stärker und dauerhaft widersprochen werde, ermutige dies weitere Staaten, solche Gesetze willkürlich einzusetzen. Für F-NEWS bleibt der Fall Yahaya Sharif-Aminu ein bitteres Beispiel dafür, was geschieht, wenn Staat, Religion und Strafrecht zu einem Werkzeug gegen Gewissens- und Meinungsfreiheit verschmelzen.

Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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