Die heimische Lebensmittelindustrie schlägt Alarm: Steigende Energiekosten durch den Krieg im Nahen Osten werden sich in den kommenden Wochen und Monaten direkt im Supermarktregal niederschlagen – laut Kronen Zeitung ist das für die Branche keine Frage des Ob, sondern nur des Wie.
„Die Preise werden steigen, überhaupt keine Frage“, sagt Stephan Büttner, Obmann der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer – und Agrana-CEO. Was er damit meint: Energie verteuert nicht nur die Produktion selbst, sondern zieht auch Transport und Verpackungen mit nach oben. Containertransporte haben sich bereits massiv verteuert, energieintensive Materialien wie Glas, Alu und Kunststoff sind angesprungen, manche Folienverpackungen haben sich im Preis sogar verdoppelt. Dazu kommt ein weiterer Faktor, der kaum jemanden auf dem Radar hat: Rund ein Drittel des weltweiten Düngemittelbedarfs läuft über die Straße von Hormus – die derzeit blockiert ist.
Importierte Inflation mit Verzögerungszünder
WKO-Fachverbands-Geschäftsführerin Katharina Koßdorff nennt das Kind beim Namen: „importierte Inflation“. Zuletzt hatten Lebensmittel die Teuerung sogar noch etwas gedämpft – damit ist es jetzt vorbei. Die Kostenwellen aus Energie und Logistik kommen zeitverzögert im Supermarkt an, wirken dann aber umso wuchtiger.
Die wirtschaftliche Ausgangslage der Branche ist dabei alles andere als komfortabel: Seit drei Jahren stagniert das Produktionsvolumen bei rund zwölf Milliarden Euro, während die Lohnkosten allein um 25 Prozent gestiegen sind. Die Exportmengen sinken, das Handelsdefizit im Agrarbereich wächst. Weitere interne Einsparungen? Laut Büttner weitgehend ausgeschöpft. Was jetzt noch käme, ginge an die Substanz – Personalabbau, Investitionsstopp.
Politik legt noch eine Schippe drauf
Als wäre das nicht genug, plant die Politik gleich mehrere Maßnahmen, die die Branche zusätzlich belasten. Geplant ist eine Margenkontrolle entlang der gesamten Lebensmittelkette: Unternehmen sollen ihre Gewinne offenlegen und bei „unangemessenen“ Erträgen sanktioniert werden können. Büttner kommentiert das trocken: „Das wäre ein beispielloser Eingriff in die Marktwirtschaft. Wer investiert noch unter solchen Rahmenbedingungen?“
Obendrauf kommt eine geplante Plastikabgabe, die künftig direkt von den Unternehmen – statt aus dem Steuertopf – gezahlt und gleichzeitig um 50 Prozent erhöht werden soll. Besonders absurd: Produkte, die bereits mit Plastikpfand belegt sind, sollen trotzdem einbezogen werden. Wer also schon in Recycling investiert hat, wird doppelt zur Kasse gebeten.
Sollte sich an den Rahmenbedingungen nichts ändern, droht die Verlagerung von Produktion ins Ausland – gerade bei standardisierten Produkten ist das ohne großen Aufwand möglich. Die Pandemie hat gezeigt, was passiert, wenn heimische Versorgungsketten wegbrechen. Gelernt hat die Politik daraus offenbar wenig.



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