Damals habe ich laut los gelacht, als ein Kollege sich für das Adoptionsrecht für Homosexuelle aussprach. Das muss so um oder kurz vor 2000/2001 gewesen sein, als die eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt und besonders an sozialen Arbeitplätzen, wie dem meinigen, viel darüber gesprochen wurde.
Heute würde man mir wohl „queerfeindliches“ Verhalten unterstellen und mit Kündigung drohen. Damals konnte ich mir meine kindliche Naivität einfach nicht verkneifen und es dämmerte mir erst im Nachhinein, dass der Kollege, der sich so vehement für Schwulenrechte ins Zeug legte, wohl selber schwul war. Obwohl es schwer zu übersehen war, hatte ich mir bislang nicht über seine sexuelle Orientierung – wie man damals noch nicht sagte – Gedanken gemacht. Aber zwei Männer und ein Baby? Zu komisch und vollkommen absurd, wie dieser überdrehte Film mit Tom Selleck aus den Achtzigern, nur eben mit Schwulen und in Echt. Inzwischen ist mir das Lachen gründlich vergangen. Denn es ging mit Riesenschritten voran.
Mit Merkels Machtübernahme schuf Ursula von der Leyen die Grundlagen für die Ganztagsbetreuung. Erzieher liefen noch vergeblich Sturm gegen die Einrichtung von Kinderkrippen und Eva Herman wurde öffentlich im Fernsehen hingerichtet. Die Mutter-Kind-Bindung stört eben, wenn Dritte, wie der Staat, Zugriff auf die Kinder schon vom ersten Tag an fordern. Hunde und Katzenbabys, selbst Kälbchen, die den Muttertieren weggenommen werden müssen, damit sie Milch geben, gesteht man mehr Bindung zu als Menschenkindern. Gleich nach der Geburt weg und in fremde Hände, wenn man das Pech hat, zur Adoption freigegeben oder als künstlich erzeugtes Embryo von einer Auftragsmutter ausgetragen worden zu sein, damit kinderlose Paare, ob homo- oder hetero, ihrem Schicksal mit viel Geld ein Schnippchen schlagen können.
Wer sich in diesen Tagen die Begründungen mancher Juristen durchgelesen hat, warum die „Leihmutterschaft“ auch in Deutschland legalisiert werden sollte, kann nur das kalte Grausen kriegen, wie „rein biologisch“ das Kind zur Sache erklärt wird, dass der „Leihmutter“ nicht mal die Eizelle gehöre und erst recht nicht der Embryo, den sie vertragsmäßig auszutragen hätte. Wer so herzlos argumentiert unterschlägt dennoch, dass zu dieser Biologie auch die starke emotionale Bindung insbesondere zur Mutter gehört und künstlicher Ersatz niemals dieselbe Qualität bieten kann.
Natürliche Elternschaft ist nichts mehr wert, wenn dieses Gedankengut zu geltendem Recht wird. Und dieses Gedankengut setzt früher an, als bei der „Leihmutterschaft“, es betrifft nicht nur homosexuelle Männer, sondern auch Frauen, zu deren Lebensmodell es zwangsläufig gehört, sofern sie „eigene“ Kinder erziehen wollen, dass die Kinder auf die Anwesenheit ihrer biologischen Väter verzichten müssen, damit die Lebenspartnerin sie adoptieren kann. Um den Umstand gewisser „moderner“ Vorstellungen des familiären Zusammenlebens Rechnung zu tragen, wurde das Konstrukt der „Mit-Eltern“ ausgedacht, womit die Verwirrung komplett wird. Danach könnten Kinder zwei Mütter, drei Väter oder was auch immer haben und wenn diese jährlich ihr Geschlecht wechseln, ist das alles überhaupt kein Problem.
An dieser Stelle muss ich leider aussteigen, sonst schreibe ich mich um Kopf und Kragen. Noch darf man ungestraft hetero sein, aber wie lange noch?



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