Die Plattform „Geimpft, geschädigt, geleugnet“ veröffentlicht ein Interview mit dem evangelischen Pfarrer Thomas Dietz – und was der Mann berichtet, liest sich wie eine Generalabrechnung mit Kirche, Politik und Corona-Politik insgesamt.

Dietz, der während der Pandemie seine Kirche bewusst offen hielt, zeichnet das Bild einer Institution, die aus seiner Sicht nicht nur versagt hat, sondern aktiv Teil der politischen Linie wurde. Besonders hart geht er mit den Amtskirchen ins Gericht: Statt Raum für Debatte zu bieten, sei Kritik unterdrückt worden, ein offener Diskurs „überhaupt nicht zugelassen“. Selbst auf seine offenen Briefe an Politik und Kirche habe er nach eigenen Angaben praktisch keine Reaktion erhalten.

Der Pfarrer erinnert sich an eine Zeit, in der selbst Ostergottesdienste ausfielen – für ihn ein historischer Tabubruch. Noch schwerer wiegt für ihn jedoch der Umgang mit Kranken und Sterbenden: Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen und Hospizen bezeichnet er sinngemäß als moralische Grenzüberschreitung, bei der die Kirche vollständig versagt habe. Offizieller Widerstand? Fehlanzeige.

Brisant wird es bei seiner Einschätzung zur Impfkampagne. Dietz wirft den Kirchen vor, selbst „in die Propaganda gegangen“ zu sein. Gemeinden mit 2G-Regeln hätten langjährige Mitglieder ausgeschlossen und damit aktiv zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen. Für ihn ist klar: Das habe Menschen aus der Kirche getrieben – und das nachvollziehbar.

Auch seine Teilnahme an der Großdemonstration am 1. August 2020 in Berlin schildert er ausführlich. Das Bild vor Ort habe sich stark von der medialen Darstellung unterschieden: ein gemischtes Publikum, friedlich, generationenübergreifend. Die polizeiliche Auflösung der Veranstaltung sei für ihn ein prägendes Erlebnis gewesen.

In seiner Gemeinde setzte Dietz bewusst auf Offenheit statt Druck. Masken oder Nicht-Masken wurden toleriert, entscheidend sei gewesen, die Gemeinschaft nicht zu spalten. Parallel baute er mit dem „Malchower Format“ eine Veranstaltungsreihe auf, in der Menschen frei sprechen konnten – auch über mögliche Impfnebenwirkungen. Laut seinen Schilderungen meldeten sich dort zahlreiche Betroffene zu Wort, die sich sonst nicht gehört fühlten.

Sein Fazit fällt ernüchternd aus: Eine echte Aufarbeitung der Corona-Zeit gebe es bis heute nicht – weder gesellschaftlich noch innerhalb der Kirchen. Gerade dort hätte er sich eine Plattform für unterschiedliche Stimmen gewünscht. Stattdessen sei eine historische Chance vertan worden.

Ein Pfarrer, der seine Kirche offen hielt, während andere schlossen – und der heute sagt, genau darin habe seine eigentliche Aufgabe gelegen: Raum für Zweifel, Fragen und Diskussionen zu schaffen. In Zeiten, in denen genau das offenbar nicht mehr erwünscht war.

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